Predigt zum Ewigkeitssonntag, Nov 18 Pfarrerin Andrea Nehring

Jes 65, 17 ff

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

 

Ich lese die Worte der Offenbarung, die ja ganz ähnlich gehen, bei vielen Beerdigungen. Sie tun gut. Sie trösten. Einmal wird es vorbei sein mit all dem Leid und dem Tod, dem Schmerz und den Tränen. Frau Pfarrer, glauben Sie, dass es einen Himmel gibt? Fragen die Trauernden und hoffen, dass wenigstens ich es glauben kann.

Es wird eine wunderbare Zeit geben, ruft Jesaja dem Volk zu. Es wird dort so schön sein, dass du deinen Schmerz, deine Verletzungen, all das Dunkle, was dich jetzt quält, glatt vergisst. Diese schreckliche Zeit werdet ihr euch nicht mehr zu Herzen nehmen, weil ihr aufgeht im Neuen.

 

Ich muss an die Schmerzen der Geburt denken. Ich hatte gottlob ganz normale Geburten. Wie schnell konnten wir alle über die Schmerzen lachen! Deine Mama hat sich ganz schön aufgeführt, erzählt mein Mann manchmal schmunzelnd den Kindern, wenn er mich ärgern will. Aber es war nie wichtig, weil ich danach ein Neugeborenes im Arm hielt. Ich habe mir die Schmerzen nicht zu Herzen genommen, sondern mich ganz auf das Kind eingestellt: Seine winzigen Augen, seine zarten Finger, seine weiche Haut, sein überraschend lautstarkes Schreien.

So ähnlich werden wir in Gottes neuer Welt zurückdenken an all das, was uns hier quält und belastet. Lächelnd, im Nachhinein, mit der Gewissheit, dass uns so ein Schmerz nie mehr geschehen wird.

 

Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe.

Denn siehe, ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.

 

Wir sollen von Herzen fröhlich sein über Gott. Und er will über uns fröhlich sein.

Gott zeigt sich ganz als unser Vater, als unsere Mutter: Welche Mutter wird nicht angesteckt davon, dass ihr Kind ausgelassen lacht! Ja, schon wenn sich ein Kind jetzt hier vorne hinstellen würde und so richtig losgackern – sie müssten wahrscheinlich alle mitlachen, keiner würde mir mehr zuhören. Und so peinlich es ihnen wäre, die Eltern würden mitschmunzeln und stolz wahrnehmen, dass ihr Kind alle zum Lachen bringen kann.

Gott will eine Welt für uns schaffen, in der wir so ausgelassen lachen können, dass er mitlachen muss.

Er selbst ist über uns so ausgelassen fröhlich, dass wir uns wunderbar leicht und erfüllt fühlen von seiner Liebe.

 

Freilich, wer schon einen Menschen verloren hat, der weiß, dass es eine ganze Zeit braucht, bis man wieder lachen kann. Eine große Wolke liegt über der Seele und dampft irgendwie alles ein, was bisher Spaß gemacht hat. Es fällt einem anfangs sogar schwer, die einfachsten Handgriffe zu machen, irgendwie wirkt alles so sinnlos, als laufe die Zeit nur bei den anderen weiter, bei einem selbst aber ist sie stehengeblieben.

 

Es gibt ja immer wieder Geschichten von Leuten, die Beerdigungen in weiß begehen und dort tanzen, weil der Verstorbene es endlich geschafft, in die wunderbare Welt Gottes aufgenommen zu werden. Sie beeindrucken einen schon. Aber sind diese Menschen denn dann nicht mehr traurig? Wir vermissen unsere Liebsten. Wir vermissen ihr Lachen, ihre Umarmung, ihre Stimme. Selbst wenn ich froh bin, dass sie jetzt im Himmel sein dürfen, hält mich doch meine Traurigkeit auf Erden fest. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass diese Menschen sich ihrer Trauer gar nicht stellen, sondern sie einfach überspielen durch großes Theater. Aber vielleicht tue ich ihnen Unrecht.

 

Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen.

Die Worte Jesajas führen uns genau dahin, wo es am meisten weh tut:

Ein Kind stirbt, bevor es seine Zukunft beginnen kann. Manchmal schon als Sternenkind, noch vor der Geburt. Manchmal als Junge, als Mädchen, das blühende Leben, voller Kraft und Tatendrang und plötzlich krank, plötzlich tot. Das trifft ins Herz.

 

Ein Erwachsener stirbt zu früh, wird mitten aus dem Leben gerissen, aus seiner Arbeit, seiner Familie. Gerade hatte man noch Pläne gemacht, und jetzt ist alles anders.

Kann das gerecht sein? Diese Menschen, die das Leben noch vor sich hatten, sterben. Und andere Leute werden uralt, obwohl sie längst nicht mehr leben wollen, dürfen nicht sterben. Ist das gerecht? Gott, wo bist du?

Ich habe kürzlich einen Beitrag im Radio gehört und ich habe ihn auf WDR im Internet gefunden.

In dem Beitrag wird Barbara Pachl-Eberhardt interviewt https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/menschen-hautnah/video-wie-ich-mein-glueck-wiederfand---das-zweite-leben-der-barbara-pachl-eberhart--100.html

, und sie hat bei einem Unfall ihre gesamte Familie verloren. Ihr Mann war sofort tot, der kleine Sohn und die Tochter erlagen in der Klinik nach ein paar Tagen ihren Verletzungen.

Sie erzählt in dem Film, wie sie diese Tage im Krankenhaus zwischen den beiden Bettchen hin und her ging und wachte. Die Ärzte empfahlen ihr, den Sohn loszulassen. Bei der Tochter hofften sie auf ein Wunder. Aber die Tochter starb zuerst.

Frau Eberhard-Pachl sagt: „Ich bezeichne die Zeit im Krankenhaus auch als ein Nahtoderlebnis. Ich habe diese unendliche Liebe gespürt, von der oft gesprochen wird, ich hab dieses Licht gesehen, diesen Tunnel mit dem Licht, als meine Tochter gestorben ist, es war da, dieses Licht, das war ganz klar.

Ich hab auch irgendwie diese Horizont-Erweiterung, zu begreifen, dass dieses Leben wirklich nicht alles ist.“

In dem Interview sagt sie später etwas, was mich sehr bewegt hat: „Ich bin jetzt völlig ohne Angst. Wissen Sie, wenn Sie den Tod in Ihr Leben aufgenommen haben und es für Sie in Ordnung ist, dass Ihr Mann und Ihre Kinder gestorben sind, dann kann Ihnen auf dieser Welt nichts mehr Angst einjagen.“

 

Ehe sie rufen, will ich antworten;

wenn sie noch reden, will ich hören.

 

Nicht jeder geht so getröstet aus der Zeit der Trauer. Nicht jeden beteiligt Gott an dem, was wirklich geschieht.

Aber so viele erzählen, dass Gott sich um sie gekümmert hat, sie Trost und Kraft erfahren haben, als sie meinten zu zerbrechen. Und Gott tröstet nicht nur unmittelbar. Viele merken auch dankbar, wie die Familie zusammenrückt, Geschwister einander besuchen und helfen, Väter und Mütter, Kinder und Enkel sehr aufmerksam werden.

Gott ist dabei.

Mit seiner Vision von dem Himmel, im dem alles hell und gut und voller Liebe ist.

Jesus Christus ist auferstanden und uns vorausgegangen.

 

Ein kleiner Junge, der im Todeskampf schon durch den Tunnel gegangen war, sagt: Jesus war immer bei mir. Er hat mir genau gesagt, was jetzt passiert. Ich hatte keine Angst.

Gott ist da.

Amen.

 

 

 

 

 

 

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Pfarrer Hans-Dietrich Nehring
Pfarrerin Andrea Nehring