Predigt von Ostern, Andrea Nehring

 

Die Auferstehung wirft so viele Fragen auf. Kann ich das glauben? Aber wie soll ich mir das vorstellen? Jesus kommt ja nicht wie Lazarus  herausgewankt, noch halb eingewickelt in die Grabtücher. Nein, es war anders. Er ist nicht zurück ins Leben gerufen worden – sonst wäre er irgendwann doch noch endgültig gestorben. Stattdessen wird von der Himmelfahrt erzählt und dass er zur Rechten des Vaters sitzt. Er bleibt lebendig bis heute. Aber wie?

 

Fragen über Fragen. Auch die Ostergeschichten sind voller Fragen. Zwei Fragen bewegen mich dabei besonders, und sie tauchen immer wieder in Varianten auf:

 

Was weinst du? Was sucht du?

 

Im Johannesevangelium gibt es ein regelrechtes Suchspiel.

Am ersten Tag der Woche kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

2 Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn weggenommen aus dem Grab, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus, und sie kamen zum Grab.

4 Es liefen aber die beiden miteinander, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam als Erster zum Grab,

  • Jetzt komm endlich! Ich kann nicht schneller!

5 schaut hinein und sieht die Leinentücher liegen; er ging aber nicht hinein.

6 Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinentücher liegen,

7 und das Schweißtuch, das auf Jesu Haupt gelegen hatte, nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt an einem besonderen Ort.

8 Da ging auch der andere Jünger hinein, der als Erster zum Grab gekommen war, und sah und glaubte.

9 Denn sie verstanden die Schrift noch nicht, dass er von den Toten auferstehen müsste.

10 Da gingen die Jünger wieder zu den anderen zurück.

 

Erst einmal begreifen sie – nichts. Er glaubte – das heißt für mich, in seinem Herzen hat er etwas begriffen, was seinen Verstand noch völlig überfordert.

Die Leintücher liegen laut Johannes sorgfältig gefaltet an der Grabstelle. Er ist nicht zurück ins Leben gerufen worden, und er ist auch nicht von Grabräubern mitgenommen worden. Und auch in den anderen Evangelien erschrickt keiner, wenn er ihn sieht, vor seiner Person, sondern nur vor dem Wunder der Auferstehung. Nein, da war nichts Gruseliges dabei, es hat offensichtlich alles seine Ordnung. Die Jünger gehen wieder.

 

Aber Maria bleibt. Sie hatte so gehofft, durch die Nähe zu Jesu Leichnam Trost zu finden. Jeder, der schon einen Menschen verloren hat, weiß, wie sie denkt. Manche gehen täglich an das Grab, weil sie die Nähe des Toten suchen. So auch Maria. 

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein

12 und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte.

13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist.

15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du?

 

Was weinst du? Ich habe letzte Woche mehrere Gespräche mit berufstätigen Müttern geführt, deren Leben am Limit ist. Sie haben nicht geweint, aber ich habe ihre Tränen in meinem Herzen wahrgenommen. Was suchen sie? Sie wollen so gern, dass sie ihren Kindern eine gute Mutter sind, ihrem Mann eine gute Frau, sie lieben ihre Eltern, die sollen auch einen Platz in ihrem Leben haben. Sie lieben aber auch ihre Arbeit, leisten gern ihren Beitrag, sind gut darin. Sie halten ihr Haus hübsch und sauber, an Ostern gibt es Kuchen und Ostereier... Uff. Ich sehe förmlich die Anforderungen wie Seile an ihnen ziehen, eine Zerreißprobe des Lebens. Und wenn dann auch noch ein Kind krank wird, könnte man heulen. Sie geben alles, diese Frauen. Sie leben am Limit.

 

Frau, um was weinst du?

 

Und ihr? Worum weint ihr? An welcher Stelle fließt euer Leben an euch vorbei, macht euch unendlich müde, ist nicht mehr das, was ihr mal gedacht habt?

Worum weinst du?

 

Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen.

16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

17 Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

18 Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.

Was weinst du? Jetzt, wo klar ist, dass es der Auferstandene fragt, gewinnt die Frage eine ganz andere Richtung. Ich sehe auf einmal so viel Licht, einen hellen Himmel, Blumen auf der Wiese. Maria hat den toten Jesus gesucht. Und den Lebendigen gefunden. Und das ändert alles.

Um was weinst du? Hat das auch noch Gewicht, wenn du es von der Ewigkeit aus betrachtest? Schau es aus Jesu Perspektive an! Verändert sich etwas?

Wen suchst du?

Auch diese Frage stellt er uns. Wenn wir hier in den Gottesdienst kommen, wenn wir zuhause Ostern feiern, wenn wir zu ihm beten. Wen suchst du?

 

"Kennst du Jesus?", fragt eine alte Frau ein junges Mädchen. Das junge Mädchen zieht ratlos die Brauen hoch. "Wie soll ich einen Jesus kennen, der schon 2000 Jahre tot ist?"

 

Suchst du diesen Jesus? Den Jesus der Vergangenheit, dessen weise Worte dich begeistern? 2000 Jahre alt sind sie, und doch haben sie noch aktuell und könnten der Welt Frieden schenken. Aber ist das alles? Suchst du nur den Jesus von damals?

 

Oder suchst du den Jesus deiner Kindheit. Hast sie geliebt, die Geschichten von dem freundlichen Jesus, der die Menschen ernstnimmt, heilt, tröstet, Wunder tut. Und weißt jetzt nicht recht, wie du ihn einsortieren sollst in deine erwachsene Welt. Wie unvernünftig, an Wunder zu glauben, wie kindisch. Muss ich das, wenn ich Jesus denke? Wen suchst du?

 

Diese Frage ist entscheidend bei vielen Ostergeschichten. Warum sucht ihr den Lebenden bei Toten? fragen die Engel.

Ist es möglich, dass Jesus heute lebt, in seinem geistlichen Leib, der nie mehr sterben musste? Dass wir ihn wie einen unsichtbaren Freund bei uns haben können, mit ihm reden, von ihm hören?

Suche den lebendigen Jesus, sagen die Engel. Nicht den toten von damals. Suche den, der heute lebt, der mit dir leben kann.

Wie ist es bei Maria gelaufen?

Sie sagt: Wo habt ihr ihn hingelegt, ich will gehen und ihn holen.

Und dann kommt dieses eine Wort.

 

Maria.

Jesus ruft sie beim Namen.

Es schlägt ein wie der Blitz. Es ist keine Antwort. Keine Erklärung. Noch nicht einmal ein „Ich bin auferstanden“ steht im Johannes -Evangelium. Nur dieses Wort: Maria.

Nicht jeder kann mit den Ohren hören, wie Jesus seinen Namen ruft. Aber wir spüren es deutlich, wenn er uns ruft. Wir werden unruhig.

 

Eine Frau erzählte, sie ist an einer Gemeinde vorbeigelaufen und hat dort ein Plakat gesehen, darauf stand: Jesus spricht: Und wer glaubt ihr, wer ich bin? Dieses Wort hat sie nicht mehr losgelassen. Sie begann nach Jesus zu forschen, las die Bibel, besuchte Gottesdienste. Und irgendwann kam sie zu dem Bekenntnis. Du bist der Christus, Gottes Sohn, der Auferstandene.

 

Richtet eure Augen auf Jesus, nicht auf all die Aufgaben, die ihr euch für dieses Leben vorgenommen habt. Weint nicht um die falschen Dinge! Sucht nicht den Lebenden bei den Toten!

Denn er ist auferstanden. Und er will mit uns leben. Amen.

 

 

 

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Pfarrer Hans-Dietrich Nehring
Pfarrerin Andrea Nehring