Warum lässt Gott das zu? Predigt zum 12.Nov 17 über Hiob, gehalten von Pfarrerin Andrea Nehring

Predigttext: (Vereinfacht von Silvia Henzler, kirche-fuer-kinder.de)

Hört Hiobs Geschichte: Hiob wohnte im Land Uz. Dort ging es ihm sehr gut. Er hatte alles, was er brauchte, ja sogar viel mehr:

Er war reich. Er hatte viele Tiere, große Herden. Schafe, Rinder , Esel und auch wertvolle Kamele. Dazu gab es viele Menschen, die für diese Tiere sorgten.

 

Und er hatte eine wunderbare Familie.  Eine Frau und zehn Kinder – sieben Söhne und drei Töchter. Alle Geschwister vertrugen sich, regelmäßig besuchten sie sich und feierten zusammen. Hiob war froh und dankbar für all das Glück. Und er glaubte fest an Gott.

 

Jeden Tag dankte er Gott. Und jeden Abend bat er Gott um Vergebung, falls er doch jemand Unrecht getan haben sollte. Und er betete auch für seine Kinder.

 

Doch dann passierte etwas Furchtbares. Viehräuber kamen ins Land Uz. Sie schlugen die Hirten tot und trieben die Schafe davon. Und die Rinder.

Auch die Esel und alle Kamele. Nichts blieb übrig, kein einziges Tier. Nur ein Arbeiter, der Hiob die schlimme Nachricht brachte.

 

Aber schon bekam Hiob eine neue, schreckliche Nachricht. Ein großes Haus in der Nähe war eingestürzt. Es war genau das Haus, in dem seine Kinder eine Familienfeier feierten. Alle, die im Haus waren, waren tot. Auch alle Kinder von Hiob. Keiner lebte mehr. Nur einer, der Hiob die Nachricht brachte.

Da weinte Hiob, es zerriss ihm das Herz, und er machte einen großen Riss in sein Kleid, als Zeichen der Trauer.

 

Jetzt hatte er nichts und niemanden mehr. Nur noch seine Frau, und die war selbst so getroffen, dass sie nur noch keifen konnte.

 

Und er hatte noch Gott. Und zu Gott betete Hiob. Wie jeden Tag.

 

Dann aber bekam Hiob eine schlimme Krankheit. Ein Ausschlag bedeckte seinen ganzen Körper. Die Flecken juckten und quälten ihn furchtbar.

 

In seinem ganzen Elend schrie Hiob zu Gott: „Gott, es geht mir so schlecht! Wo bist du? Warum ist mir all das passiert?“

 

Warum?

 

Hiob wartet auf Antwort.

Aber da ist keine Antwort.

 

Drei Freunde gehen zu Hiob und besuchen ihn. Sie wollen ihm helfen. Und sie wollen verstehen, warum so etwas Schlimmes geschehen darf.

 

Der erste Freund sagt: „Hiob, wenn so Schlimmes passiert, dann muss es einen Grund dafür geben. Vielleicht hast du etwas getan, worüber Gott zornig ist und jetzt straft er dich. Und darum geht es dir nun so schlecht.“

 

„Nein!“ schreit Hiob. „Nein, das ist nicht wahr! Ich habe immer Gott vertraut. Alles habe ich mit Gott besprochen. Jeden Tag. Gott weiß das ganz genau. Warum lässt er mich jetzt so im Stich?“

 

Der zweite Freund sagt:

„Hiob, du bist nur ein Mensch. Wie du mit Gott redest, das ist nicht in Ordnung!

Das macht man nicht. Gott prüft dich. Du musst alles still aushalten.“

„Nein!“ schreit Hiob. „Gott soll mich endlich hören. Er soll hören, was ich zu sagen habe. Ich habe immer alles mit Gott besprochen, er war wie ein Freund für mich. Ich brauche ihn jetzt. Ich will, dass er mir Antwort gibt!“

 

Ein dritter Freund setzt sich neben Hiob: „Hiob, lass Gott los. Vergiss ihn. Du siehst doch, dass das nichts bringt!“„Nein!“ schreit Hiob wieder. „Nein! Ich habe mich immer an Gott festgehalten. Ich rufe, bis er mich hört!“

 

„Gott, wo bist du? Gott!“ (Stille)

 

Da hört Hiob Gottes Stimme.

Wie aus einem Sturmesbrausen spricht Gott zu ihm: „Hiob, du klagst mich an. Willst du – ein Mensch – mit mir Gericht halten? Ich bin Gott! Als ich die Sonnen und Planeten gemacht habe, wo warst du da? Und als ich gemacht habe, dass es Tag und Nacht wird, dass Menschen und Tiere leben können, wo warst du da? Kannst du verstehen, wie ich das gemacht habe?

Ich bin Gott – ergründen und begreifen wirst du mich nicht. Aber ich bin da.“

Hiob schweigt eine Weile. Dann antwortet er: „Du, Gott, vermagst alles. Ich begreife nicht, was du tust und warum. Aber ich will mich an dir festhalten. Trotz allem. Ich kann nicht anders. Du bist doch Gott, mein Gott.“  

 

Und Gott segnete Hiob. Da bekam Hiob neue Lebenskraft. Er wurde gesund. Er gründete eine neue Familie.

Letzthin kam im Radio ein Beitrag. Da hat eine Frau gesprochen. Sie hatte bei einem Verkehrsunfall ihren Mann und ihre drei Kinder gleichzeitig verloren. Ein Zug war in das Auto gefahren. Sie hat gesagt: „Ich glaube an Gott. Er ist da, auch wenn ich jetzt ohne meinen Mann und meine Kinder weiterleben muss. Ich vertraue ihm. Und dass man tot ist, wenn ein Zug über das Auto fährt, das kann ich Gott nicht verübeln. Das ist eben so.“

 

Es gibt sie, die Hiobs, auch in unserer Zeit. Menschen, die so viel ertragen müssen, dass wir allein bei dem Gedanken schon eine Gänsehaut bekommen. Und die dennoch sagen: Ich vertraue Gott. Auch hier im Gottesdienst sitzen solche Menschen. Und andere, die hoffen, dazu zu gehören.

 

Hiobs Thema ist DAS Thema in unserer Zeit. Schicksalsschläge sind Herausforderungen, die uns ratlos machen, hilflos, ohnmächtig. Haben wir nicht als Kinder gelernt, dem lieben Gott zu vertrauen? Alles in seine Hände zu legen? Und hat nicht Jesus uns diesen Gott vorgestellt als einen, dem alles möglich ist, der Menschen von Grund auf heilt an Leib und Seele? 

 

Und dann geschehen solche furchtbaren Dinge. Manche kann man sich erklären. Aber selbst bei denen bleibt immer die Frage übrig: Wenn Gott es so gut mit uns meint, warum hat er es nicht verhindert?

 

Diese Woche war der 9.November. Erinnerung an den Tag, als plötzlich die netten Nachbarn von früher sich in ihren Wohnungen verschanzten und die jüdischen Geschäfte zerstört wurden. Alle waren doch fassungslos. Und doch war es geschehen und ist ja nur der Beginn von vielen Schreckenstaten gewesen. Wie konnte das passieren? Warum hat Gott nicht eingegriffen? Warum hat Hitler damals einen Anschlag nach dem anderen überlebt?  Warum?

 

Aber auch in unserer Zeit könnte ich Stunden füllen mit Geschichten, bei denen ich ohnmächtig davor stehe und frage: Warum?

 

Warum ist die Decke von Turnhalle in Bad Reichenhall nicht erst 5 Minuten später heruntergefallen, als die Kinder bereits aus dem Gebäude gewesen wären? Wäre das Gott nicht auch möglich gewesen?

 

Die Frage ist wahrscheinlich so alt wie unser Glaube an Gott. Sie wird schon von Hiob gestellt, und man vermutet, das der Mann Hiob aus der Zeit des Noah stammt. Die Sage geht um, dass er mit Gott gerechtet hat und eine Antwort bekam.

 

Das Buch selbst mit all den Reden der Freunde dürfte im 6 Jh vor Christus entstanden sein. Es sammelt mögliche Antworten auf die Frage: Warum?

Einige der Antworten sind uns durchaus vertraut.

 

"Gott straft dich für das, was du gemacht hast."

 

Ich kenne eine Frau, die wollte viele Kinder bekommen. Nach langem Warten bekam sie einen Sohn. Mehr kamen nicht. Sie sagt: „Das hat mich lange traurig gemacht. Aber dann habe ich verstanden. Das war Gottes Strafe dafür, dass ich als Jugendliche ein Kind abtreiben ließ. Jetzt bin ich mit mir im Reinen.“

 

Sie kann das für sich so sagen. Aber wenn wir von außen mit dem Finger auf Leute zeigen und sagen: Das ist die Strafe für deine Sünden! - dann kann es sehr gut sein, dass wir falsch liegen. Hiob schüttelt darüber nur den Kopf und sagt zu dem Freund, der ihm nahelegt, seine Schuld zu bekennen: Wem es gut geht, der kann über das Unglück anderer spotten – ein Schlag ins Gesicht für alle, die ohnehin schon stürzen.

Hiob weiß, dass er schuldig geworden ist. Aber eine so große Schuld, die ein solches Leiden als Strafmaß rechtfertigt? Nein, die hat er definitiv nicht. Und wir sollten uns hüten, das Gefühl, gestraft zu werden, vorschnell als Gottes Handeln zu interpretieren.

 

"Du wirst geprüft. Halte still und sei gehorsam."

Ein Mann hat seine Frau tragisch verloren. Er leidet. Aber er will Gott nicht lassen. „Zähne zusammenbeißen und durch“, sagt er. Gott ist der Chef. Ich muss es schlucken. Gott hats gegeben, Gott hats genommen, der Name des Herrn sei gelobt.

 

Aber Hiob will nichts schlucken müssen, er kann nicht nur schweigen – obwohl dieser Spruch auch von ihm stammt. Er schreit zu Gott: Antworte mir!

 

"Vergiß Gott. Das ist nur Zufall. Gott gibt es nicht."

Auch diese Antwort begegnet mir oft. Da erklärt mir eine Frau: Ich sehe das so:

Die Menschen auf der Erde zappeln sich ab, dass alles irgendwie gut wird, und Gott haut dann ab und zu von oben drauf. Wie soll ich das begreifen? Gibt es Gott?

 

Für Hiob ist auch diese Antwort keine Möglichkeit. Er weiß, dass er in Gottes Hand ist. So sagt er: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Hiob zweifelt nicht an Gottes Existenz, auch nicht an seiner Macht. Ihn quält Gottes Schweigen. Er will eine Antwort! Er will nur wissen, warum er dabei so unendlich viel Leid ertragen muss.

 

Er wartet auf eine Antwort.

Aber da ist keine Antwort.

 

In der Bibel gibt es für Hiobs Geschichte eine mythologische Rahmengeschichte. Sie geht auf eine Sage zurück und ich bezweifle stark, dass diese Geschichte so passiert ist - denn da war kein Mensch dabei, der sie hätte aufschreiben können:

 

Der Satan trifft Gott. Und Gott schwärmt ihm vor von Hiob, der so fromm und gut lebt, sein Augenstern. Da sagt der Satan geringschätzig: Das ist ja auch kein Wunder. Du steckst es ihm ja auch hinten und vorne rein: Er hat ein tolle Familie, ist reich und gesund. Nimm ihm das weg, und du wirst sehen, seine Frömmigkeit schwindet wie der Wind.

 

Und Gott erlaubt ihm bei Hiob freie Hand. Eine gruselige Vorstellung, die ich nur aushalten kann, wenn ich mir klar mache, dass sie eine Lehrgeschichte ist.

Immer schlimmer werden die Prüfungen, immer härter das Schicksal. Aber der Satan verliert. Hiob bleibt an Gott. Fordernd, schreiend, weinend. Aber an Gott.

 

Diese Geschichte soll dem letzten Zweifler die Argumente stehlen: Nein, Hiob ist tatsächlich nicht schuldig gewesen. Nein, es war wirklich keine Strafe. Und: Nein, man muss nicht immer nur still sein und alles ertragen, was Gott so schickt. Und ja: Es gibt ihn. Und er hält die Fäden in der Hand. Er sieht dich.

 

Hiob bekommt Antwort von Gott. Persönlich, wie Sturmwind rauscht sie. Die Worte Gottes beantworten Hiobs Fragen nicht.  „Willst du Mensch dich wirklich in die Richterrobe werfen und mich, der dich und die Erde, Sonne und Planeten gemacht hat, auf die Anklagebank setzen? Ich bin Gott – ergründen und begreifen wirst du mich nicht.“

 

Gott gibt keine Antwort auf die Frage warum.

Aber er redet mit Hiob.  

Und das reicht Hiob. Er weiß wieder: Gott hört mich. Gott sieht mich. Alles ist gut. Ich bin nicht allein.

 

Es gibt Menschen, die vertrauen Gott auch dann noch, wenn ihnen böses geschieht und niemand es verhindert, kein Wunder geschieht, kein Engel Stopp schreit. So wie es diese Frau im Radio tut. So wie es einige Menschen in unserer Gemeinde tun, die treu zu Gott stehen, obwohl ihnen Schweres auferlegt ist.

 

Wie kann ich so werden? Kann ich etwas dafür tun, dass ich in der Not zu Gott halte?

 

Ich glaube, das einzige, was du tun kannst, ist dich mit Gott zu beschäftigen. Rede mit ihm. Höre auf ihn. Verbinde dich mit ihm.

 

Dann kannst du hoffen, dass Gott dir Antwort gibt auf dein Rufen. So wie er es bei Hiob gemacht hat.

 

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Pfarrer Hans-Dietrich Nehring
Pfarrerin Andrea Nehring