Gesegnet sein. Predigt vom 1.7.18, Pfarrerin Andrea Nehring

Predigt (über 1.Mose 12,1-4)

Als ich Konfirmandin war, sagte der Pfarrer immer von der Predigt: Gott segne an uns dieses Wort.

Und ich habe immer gedacht: Was soll Gott da tun? Was ist Segen?

Ich habe meinen Pfarrer gefragt, und der hat so was Ähnliches geantwortet wie „Segen ist, dass du die Kraft Gottes ins Herz bekommst.“

Hmm. Klingt gut. Aber ich war nicht wirklich schlauer danach.

Ich glaube, was es heißt, gesegnet zu sein, das habe ich erst begriffen, als ich selbst Segen erfahren habe und bei anderen Menschen gesehen habe.

Deshalb will ich euch erst einmal ein paar Geschichten erzählen.

Da ist die alte Frau, weit über 90 Jahre.

Sie hat den Rollator fest gepackt, weil sie weiß, dass manchmal ihre Beine einfach nachgeben. Ich sehe in ihrem Gesicht, dass sie Schmerzen hat, große Schmerzen.

Sie stärkt sich morgens mit einem Wort aus der Bibel und dem Gebet, dass Gott ihr für heute, nur für heute noch genug Kraft geben möchte.

Noch wohnt sie im Block, aber sie und ich wissen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, wann sie die Treppen vom Aufzug zur Wohnung gar nicht mehr schafft.

Wir kommen ins Gespräch.

Sie erzählt mir – nicht von ihren Schmerzen, von Doktoren und Medizin, nein, sie erzählt von ihren Nachbarn!

Von deren Nöten, wie sie versucht hat, zu helfen, wie sie zu jedem Geburtstag kurz rüber geht, um zu gratulieren.

Mir wird klar: Diese Frau ist der Engel dieses Hauses. Sie ist gesegnet von Gott. Trotz ihrer Schwäche ist sie für die anderen ein Segen.

Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein

 

Ganz anders hat Segen meine Schulfreundin Conny erfahren.

Sie war der Streber der Klasse, hat gelernt ohne Ende und immer gerade so ihre 3 geschafft.

Wir haben immer gestöhnt über sie.

Im Abitur sagte sie mir: Ich werde Ärztin.

Ich dachte an ihre Noten. Wo lag der Nummerus clausus? 1,2?

Ich weiß es noch genau. Skeptisch habe ich sie angeschaut und gesagt: Wie willst du das denn schaffen?

Sie ist Ärztin geworden.

Ich will dich segnen.

 

Ein Handwerker vertraute sich mir an.

Die Ehe ist kaputt, die Eheleute streiten um die Kinder. Die Frau schlägt und trinkt. Er ist völlig verzweifelt.

Ich verspreche, für ihn zu beten.

Jahre später treffe ich ihn mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Gott hat mich gesegnet, sagt er. Die Kinder dürfen bei mir leben.

Es geht aufwärts. Ich habe mit meinem Leben Frieden geschlossen. Gott hat mir geholfen. 

 

Ich will dich segnen, sagt Gott zu Abraham.

Das heißt: Gott will, dass du das alles erfahren darfst:

Er macht dich innerlich stark, obwohl du momentan so viel Last trägst.

Du wagst es, deinen Weg zu gehen, obwohl dich so vieles hindern will

Gott heilt deine Verletzungen, versöhnt dich mit deiner Vergangenheit und will deine Weisheit für andere einsetzen.

Das ist die erste Hälfte der Verheißung: Ich will dich segnen.

 

Und die zweite Hälfte:

Du sollst ein Segen sein.

Er macht das nicht nur für dich, damit es dir persönlich gut geht.

Er macht es auch für alle, die dir begegnen.

Du sollst ihnen zum Segen werden. So wie die alte Frau den Nachbarn.

Das Wort "soll" ist nicht so gedacht, dass das jetzt der Auftrag an Abraham ist, nach dem Motto: Wehe wenn nicht.

Sondern es ist ein Soll, das in die Zukunft weist.

Gott spricht Abraham zu, dass er ein Segen sein wird.

Er wird es sein, dafür wird Gott sorgen.

Jetzt sagen Sie: Ja, der Abraham.

Der war auch wirklich ein Mann Gottes.

Ich mein, von mir wird man in 5000 Jahren keine Geschichten erzählen.

Aber Jesus sagt: Du bist ein Kind Gottes, genauso wie Abraham.

Auch du wirst ein Segen sein für die Menschen um dich herum.

 

Ich habe kürzlich eine ziemlich harte Geschichte gelesen, die mir nicht aus dem Kopf geht.

Ein Christ aus dem Iran schreibt in einer Zeitschrift, Open doors, ich zitiere nur aus der Erinnerung:

Als sie mich ins Gefängnis warfen, war es mit meinem Glauben vorbei.

Ich habe es nicht begriffen.

Wie konnte es Jesus geben, wenn er mich so im Stich lässt?

Ich saß in meiner Zelle und weinte die ganze Nacht.

Gott, zeig dich mir! Wo bist du? rief ich.

Und auf einmal hörte ich die Antwort:

Es geht hier nicht um dich, es geht um Jesus.

Verblüfft sah ich mich um und erst jetzt sah ich all die anderen elenden Gestalten um mich herum, geprügelt, verletzt, voller Bitterkeit und Tränen.

Und ich begann, ihnen von Jesus zu erzählen.

 

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Es reicht nicht, die Hände aufzumachen und sich an dem zu freuen, was Gott uns wunderbares schenkt.

Gott segnet uns auch noch anders: Durch den Auftrag, seine Botschaft unter die Leute zu tragen.

Er sagt: Ich liebe dich von ganzem Herzen!

Aber es gibt etwas, das ist noch wichtiger als du:

Dass auch andere Menschen von meiner Liebe erfahren und darüber heil und glücklich werden.

 

Gott sagt zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland, aus deinem vertrauten Lebensbereichen, aus deiner Komfortzone heraus.

Geh in das Land, das ich dir zeigen will.

 

Es gibt einen Bereich, den wir nur zu sehen bekommen, wenn Gott ihn uns zeigen will.

Das ist der tiefe Glaube an Jesus.

Da verwurzelt sich das Herz mit ihm in einer Liebe, die Zweifel auslachen kann.

Wenn du diesen Bereich sehen willst, sagt Gott, dann geh los, weg von dem, was dir vertraut und gewohnt ist.

Suche mich, sei offen für neue Wege, ich werde dich führen.

Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Aber jetzt geh los, Gott will dir neue Einsichten zeigen. Amen.

 

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Pfarrer Hans-Dietrich Nehring
Pfarrerin Andrea Nehring