Da hab ich ein Recht drauf. gehalten von Pfarrerin Andrea Nehring am 24.Sept 17 in Bayreuth

Bibeltext: 1.Petr 5,5

Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.

7 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.

8 Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.

9 Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder und Schwestern in der Welt kommen.

Segenswunsch und Grüße

10 Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

11 Ihm sei die Macht in alle Ewigkeit! Amen.

 

Ach, wir haben gerade Ärger, erzählt der Chef einer kleinen Praxis. Weißt du noch, dass ich schon mal gestöhnt habe über die neue Mitarbeiterin, die immer krank ist? Wir haben sie schon öfters während des Krankenstands getroffen und große Zweifel gehabt, ob sie nicht krank macht. Unendlich viele Wochen haben wir im letzten Jahr für sie vertreten, haben Patienten vertröstet, Termine verschoben. Ich habe sie letzte Woche zur Rede gestellt. Da sagt die doch zu mir: Ich kann hier tun, was ich will. Ich habe mich erkundigt. Sie können mich gar nicht kündigen. Ich habe ein Recht darauf, hier zu arbeiten.

Ist das nicht dreist? Keine Spur von Dankbarkeit, von Kollegialität. Ich habe sie gekündigt. Jetzt suchen wir wieder neu und vertreten immer noch.

 

Hochmut kommt vor dem Fall, sagt der Volksmund. Der Apostel Petrus drückt es christlich aus: Gott widersteht dem Hochmütigen.

 

Dabei hat diese Frau sicher nur laut gesagt, was sich in unserer Gesellschaft eingeschlichen hat. Da hab ich ein Recht drauf! Die Arbeitnehmer sind von unserem Gesetzgeber so gut mit Rechten ausgestattet, dass ein Chef, ein Vermieter, ein Verantwortlicher ganz schön ins Schwitzen gerät.

Unsere Politik macht das groß. Heute können Sie mit Ihrer Stimme entscheiden, ob etwa Familien ein „Recht“ auf einen KiTa Platz haben sollen oder nicht.

 

Weil wir genau wissen, was unsere Rechte sind, rechten wir auch mit Gott. Wie kannst du uns so ein schlimmes Schicksal geben! Warum lässt du das zu? Warum greifst du nicht ein? Ein junge Frau sagte einmal: "Als mein Vater sterben musste, da beschloss, ich Gott dafür mit Missachtung zu strafen. Sollte er doch sehen, wo er bleibt, wenn er mir meinen Vater nimmt. Aber als es soweit war, war alles anders. Mein Vater sprach dauernd nur von Gott und dass er sich freue darauf, zu ihm zu kommen. Er haderte nicht. Er vertraute ihm. Das hat meinen Glauben verändert. Ich habe mich noch mehr Gott zugewandt."

 

Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade. Darum demütigt euch unter die gewaltige Hand Gottes, dass er euch erhöhe zu seiner Zeit.

 

Der Satz klingt unangenehm, weil wir statt „Demut“ denken: Den Kopf einziehen, nicht widersprechen, alles hinnehmen, obwohl man vor Wut schon schier platzt. Wenn einer mich demütigt, ist das schon schlimm genug, das muss ich nicht auch noch an mir selber machen, oder?

 

Mir hat sich das Wort aufgeschlossen durch den Satz, der in dem Brief des Petrus jetzt folgt: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Da hab ich gedacht: Ich soll mich demütigen unter seine Hand, in dem ich meine Sorge auf ihn werfe? Wie jetzt?

 

Genau so ist es. Demütigen heißt nämlich in diesem Fall: Auf Gott vertrauen, auch wenn ich es nicht verstehe. Gott will nicht, dass ich ihn verurteile und abstrafe, weil er in meinem Leben Dinge tut, die mir nicht passen. Das findet er hochmütig. Du bist doch nicht Gott! Was weißt du denn schon!

Er will Vertrauen. Dennoch halte ich stets zu dir, sagt ein Psalm. Dennoch.

 

Springen wir noch einmal in die Arbeitswelt. Als ich hier anfing als Pfarrerin, hat mich an unserer Frau Thurn eines absolut beeindruckt: Sie zeigte sich solidarisch mit uns neuen Pfarrern. Sie hielt uns die Stange und ermutigte uns sogar dann, wenn andere Leute sich beschwerten. Sie hätte ja auch sagen können: Diese jungen Pfarrer blicken echt nichts, was machen die denn da. Hat sie aber nicht. Und so gab ihre Solidarität uns Stärke.

 

Ein solidarischer Mitarbeiter braucht nun natürlich auch einen Chef, der seine Arbeit anerkennt, dem er vertrauen kann, der einem nicht plötzlich in den Rücken fällt. Wenn diese beiden Eigenschaften zusammenfallen, dann flutscht die Arbeit. Denn alle Kraft geht in die Sache, keiner braucht Intrigen spinnen, keiner Strategien zum Überleben entwerfen. Ich hoffe, wir konnten Frau Thurn solche Chefs sein.

 

Das Wort solidarisch trifft vielleicht am besten, was Demut ist. Ja, ein zutiefst ergebener Mitarbeiter ist demütig. Er fragt nicht nur: Habe ich alles, was mir zusteht? Sondern er hat einen Blick auf das Ganze: Was dient der Arbeit? Wie kann ich dem Chef helfen?

 

Solche Mitarbeiter will Gott. Mitarbeiter, die voller Vertrauen auf ihn ihren Job hier machen. Die ihm vertrauen und dankbar sind, dass sie für ihn arbeiten dürfen. Die auf die anderen schauen und nicht darauf, was ihnen zusteht, die nicht nur nach ihrem Recht fragen. Die ihre Sorgen bei Gott abgeben und sich sicher sind. Gott sorgt für mich.

 

Nun ist auch das nicht leicht. Wer schon große Sorgen hatte, der weiß, dass sie uns immer wieder einholen. Da bete ich vertrauensvoll: Gott, mach mein Kind gesund! Und kurz danach schießt voller Entsetzen die Frage in den Sinn: und was wenn nicht? Was kann ich tun, um Gott auf die Sprünge zu helfen?

 

Aber mit Vertrauen meint Gott nicht: Bete vertrauensvoll dass das geschieht, was du dir ausgedacht hast.

 

Nein, Vertrauen ist größer. Vertrauen heißt: Nicht mein Wille, sondern dein Wille, Gott, geschehe. Und manchmal ist Gottes Wille leider der Tod, so wie bei dem Jungen Mädchen, das ich vorhin zitiert habe. Manchmal sterben Menschen zu früh. Dann wünscht sich Gott Demut. Vertrauen in ihn, dass er da ist und einen Plan hat. Vertrauen, dass alles gut ist, auch wenn wir im Moment dagegen anschreien.

 

Das ist schwer. Wir weinen trotzdem, sind traurig und erschüttert. Aber wir bleiben in Gottes Nähe, voll Vertrauen, dass er weiter weiß. Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.

 

Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen.

 

Was für eine Zusage.

Wie könnte ich mich selbst stärken, kräftigen, aufrichten? Wenn mich das Schicksal zu Boden wirft, liege ich zerbrochen am Boden. Da hilft mir alle Wut nichts, dass ich doch ein Recht darauf hatte, dass mir besseres zusteht.

Er aber reicht mir die Hand, zieht mich hoch. Er macht mich wieder stark und gründet mich im Glauben.

Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.

 

 

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Pfarrer Hans-Dietrich Nehring
Pfarrerin Andrea Nehring