Ich soll wunderbar gemacht sein? Brief an dich, wenn du daran Zweifel hast. Von Pfarrerin Andrea Nehring

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht  bin,

wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele. (Ps 139, 14)

 

Dass Gottes Werke wunderbar gemacht sind, wirst du sicher spontan bejahen. Der Mond und die Sterne, die Wellen einer Bucht, die Rapsfelder, der Adler, die sich in die Luft kreist. Ja, Gott hat viel Phantasie und Mühe aufgewandt, um diese Welt richtig schön zu machen.

 

Der erste Satz ist schwerer. Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Ja ICH. Dass Ich wunderbar gemacht bin.

Naja. Bist du wunderbar gemacht? Wenn ich in den Spiegel schaue, gibt es einiges, was ich verbesserungswürdig finde.

Und in dir klingt vielleicht jetzt die Stimme deiner Mutter, deines Vaters. Du und wunderbar? höhnt sie. Da hätte ich aber schon noch ein paar Vorschläge. Und sie lacht in diesem bitteren Ton, der einem signalisiert: Du bist eine Enttäuschung. Ich habe von dir mehr erwartet.

 

Ach ja, die Mütter. Weißt du, dass sogar Jesus mit seiner Mutter immer wieder Kämpfe ausfocht? Maria war ziemlich bestimmend. Als er auf einer Hochzeit mit ihr eingeladen war (Joh 2), hat sie ihn einfach nach vorne geschoben, wie ein Kind, das auf der Geige vorspielen soll: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Genau so reden einige Mütter. Sie bitten einen nicht: „Könntest du aushelfen?“ Nein, sie sagen, was gerade fehlt und erwarten, dass man es löst. Und wir alle wissen, dass Jesus nicht sagen konnte: „Stimmt, ist mir auch schon aufgefallen.“

 

Jesus ist davon ebenso genervt, wie die meisten von uns, wenn unsere Mütter solche Forderungen stellen. „Was geht es dich an, Frau, was ich tue?“

Das würde eine zarte Seele als Absage begreifen. Aber Jesu Mutter tickt anders. Seine Mutter aber spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Sie lässt ihm keine Wahl. Und da knickt er ein und macht Wein aus Wasser, lässt sich von seiner Mutter provozieren zu seinem ersten Wunder.

 

Mütter. Jesus musste seiner Mutter klare Grenzen setzen. Sie, die alles in ihrem Herzen bewegte, wie es in der Weihnachtsgeschichte heißt, scheint immer wieder zu vergessen, dass Jesus nicht nach ihrer Pfeife tanzt. So lässt sie mehrmals seine Brüder antreten, dass sie ihn zurückpfeifen in ein Leben, wie es sich ihrer Meinung nach gehört.

Mt 12,47 zum Beispiel heißt es. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?  Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

 

Jetzt könnte man sagen: Hey, die wollten bloß mit dir reden! Hör dir das doch erst mal an. Aber manchmal gibt es Gespräche zwischen Mütter und Kindern, die sind schon so oft abgelaufen, dass wir sie auswendig können. Und Jesus hat genug davon.  Er liebt seine Mutter, ja. Aber das ist sein Leben, sein Auftrag. Hier ist eine Grenze erreicht.

 

Sie wird schon geschluckt haben. Aber wir lesen in der Bibel, dass sie lernte, das zu akzeptieren, dass sein Weg ein anderer war. So steht sie unter dem Kreuz und erträgt sein Leid. Und in der Gemeinschaft der Apostel hat sie einen festen Platz.

 

Manch eine Tochter, manch ein Sohn sehnt sich ein Leben lang danach, dass die Mutter nur einmal ernsthaft zu ihr, zu ihm sagt: Ich liebe dich. Du bist wunderbar geworden. Ich bin stolz auf dich.

 

Diese Sehnsucht kann zur Sucht werden. Immer läuft die leise Mutter-Stimme im Hinterkopf mit: Hätte sie das gut gefunden? Habe ich das ordentlich genug gemacht? Habe ich sauber genug geputzt? Kann ich nicht bei meiner Arbeit noch mehr erreichen, höher klettern, reicher werden? Sie kann zu einem Antreiber ohne Ende werden. Wir leben nicht mehr unser Leben, sondern das Leben, das unsere Mutter für uns gedacht hat.

 

Wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter. Der Vater im Himmel ist der einzige, der Jesus sagen darf, was er tun soll. Niemand sonst.

Und das gilt auch für dich. Nur der Vater im Himmel darf in deinem Leben bestimmen. Er will, dass wir das Leben führen, das er für uns gedacht hat.

 

Nun verwechseln wir oft seine Stimme mit der Stimme unserer Eltern. Da sagt Gott: Du sollst den Nächsten lieben, und wir denken: O Mann, was mach ich denn da schon. Vernichtend. Ich tauge eben nichts.

 

Aber das ist nicht Gottes Stimme.

 

Gott sagt:  Du bist wunderbar gemacht. Ich habe eine Idee von dir gehabt, als ich dich schuf. Und ich schaue dich an und bin begeistert. Ich liebe dich!

 

Aber ich mach doch lange nicht alles richtig, protestierst du vielleicht, da ist doch noch so viel Luft nach oben!

 

Und dein Vater im Himmel lacht und sagt: Wenn du alles richtig machen würdest, hätte Jesus gar nicht am Kreuz sterben müssen. Nein, du machst nicht alles richtig. Macht nichts. Wir gehen zusammen einen Weg, und du wirst merken: Es ist der Weg in die Freiheit.

 

Deshalb jetzt deine Aufgabe.

Stelle dich 3x am Tag unter Gottes Blick. Schließe die Augen. Denke daran, wie Gott dich sieht, wie sehr er dich liebt. Und sage laut zu dir:

Ich danke dir, Gott, dass ich, (und hier setzt du deinen Namen ein), wunderbar gemacht bin.

Gott liebt mich, so wie ich bin.

 

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Pfarrer Hans-Dietrich Nehring
Pfarrerin Andrea Nehring