Islam-Reformer Ourghi sieht Kopftuch für Frauen kritisch

 

epd-Gespräch: Christiane Ried und Achim Schmid

München/Freiburg (epd). Der Islam-Reformer Abdel-Hakim Ourghi sieht im muslimischen Kopftuch ein Druckmittel gegenüber Frauen. Er respektiere zwar jede Frau, die aus freien Stücken ein Kopftuch trage, sagte der Freiburger Islamwissenschaftler im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Die Realität sieht jedoch total anders aus. Denn die Frauen und Mädchen sind einem enormen sozialen Druck ausgesetzt, vor allem in der Fremde, im Ausland."

Wenn Frauen kein Kopftuch trügen, würden sie aus der eigenen Gemeinde ausgeschlossen - es komme zu einer völligen Isolierung, kritisierte Ourghi. Es gebe im gesamten Koran keine einzige Passage, die das Kopftuch vorschreibe. "Es ist vielmehr das historische Produkt der männlichen Herrschaft, denn es geht um die Kontrolle über den Körper und den Geist der Frauen." Das Kopftuch habe die Funktion, die männliche Kultur sicherzustellen und zu befriedigen.

Der Islam brauche dringend ein Zeitalter der Aufklärung, betonte Ourghi. Die Muslime könnten hier von der deutschen Kultur lernen. Außerdem fehle ihm im Islam ein Konzept der Nächstenliebe wie im Christentum. "Denn Muslime haben eher den Drang, den anderen destruktiv zu behandeln," sagte Ourghi. Aufgabe von Islam-Reformern sei daher, eine "Gnadentheologie" zu entwerfen. "Dabei geht es um einen Gott, der nicht in die Hölle schickt, sondern verzeiht. Gott ist Liebe - das können wir vom Christentum lernen," sagte der Islamwissenschaftler. (00/0789/09.03.2018)

epd lbm cr as

Regionalbischof Nitsche: Kirche muss Islam-Reformern Plattform geben

 

epd-Gespräch: Christiane Ried und Achim Schmid

München (epd). Kirche und Politik dürfen sich nach Überzeugung des Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi nicht zu sehr auf die islamischen Dachverbände verlassen. Diese etablierten Dachverbände seien konservativ und sähen ihre Aufgabe darin, "die hier geborenen Muslime zu re-islamisieren", sagte Ourghi, der sich selbst als Reformer bezeichnet, in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenn sie etwa auf Vertreter von Kirchen treffen, sagten sie nur das, was die Kirchen auch gern hören wollten. "Was sie heimlich in ihren Gemeinden predigen - zum Beispiel, dass sie die Inhaber der absoluten Wahrheit sind und alle anderen sind ungläubig -, bekommen die Kirche nicht mit."

Ourghi warnt deshalb vor einer gewissen "Unheil-Allianz". Er ist überzeugt: "Der Islam in seiner konservativen Form, der von den Dachverbänden hier bei uns gepredigt wird, gehört nicht zu Deutschland. Sondern nur ein liberaler Islam, der mit unseren westlichen Werten und unserem Grundgesetz vereinbar ist."

Der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche räumte im epd-Gespräch ein, dass die Kirchen zu lange auf die Verbände gesetzt hätten, um in zentralen Fragen, wie etwa zum islamischen Religionsunterricht, weiterzukommen. "Zuerst haben wir als Königsweg auf die Verbände gesetzt, was sich als nicht tragfähig erwiesen hat." Die Kirchen müssten sich aber aktiv dafür einsetzen, dass auch der Reform-Islam eine Stimme bekomme, sagte der evangelische Theologe, der sich seit langem mit dem Islam auseinander setzt.

Ourghi prangerte zudem die Anfeindungen durch konservative Muslime an. Es sei sehr traurig, dass Islam-Reformer in einem freien Land wie Deutschland auf Personenschützer angewiesen seien. "Dabei lehnen wir den Islam ja nicht plakativ ab, sondern wollen versuchen, den Islam mit den Prinzipien der Vernunft und Aufklärung zu reformieren." Die Islam-Reformer bezahlten ihr Engagement mit einer Einbuße an persönlicher Freiheit; einige müssten 24 Stunden am Tag geschützt werden.

Regionalbischof Nitsche sieht hier Staat und Gesellschaft in der Pflicht: Sie müssten genügend Freiräume schaffen, in denen Reformbestrebungen eine Chance haben. Auch die christlichen Kirchen hätten als "großer Player in der Gesellschaft eine Verantwortung, zum Beispiel auch, dass Vertreter des Islam sich und ihre Glaubensüberzeugungen darstellen können, wenn sie auf dem Boden des Grundgesetzes argumentieren." (00/0790/09.03.2018)

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