2. Predigt zu : Es ist nicht alles Gott was glänzt - von der Jagd nach Erfolg, gehalten von Pfarrerin Nehring am 25.10.20

Um aufzusteigen, arbeitete Jo hart. Seine Familie hat das eine Zeitlang mitgetragen, ihn freigehalten von Hausarbeit, auf ihn verzichtet in der Freizeit. Aber die Zeit wurde lang. Die Noten des Sohnes wurden schlechter in der Schule. Jo wusste, er müsste mit ihm arbeiten, seine Frau kann so was nicht so gut, aber er hatte keine Zeit dafür.

Er versuchte es mit Druck, schimpfte und drohte: Hock dich auf den Hosenboden und lern! Wenn nochmal eine 5 oder 6 kommt, gibt es 3 Wochen Hausarrest! Der Junge sieht Jo voller Verachtung an, kämpft mit den Tränen und rennt in sein Zimmer. Seine Frau schüttelte hilflos den Kopf, vor den Kindern wollte sie Jo nicht in den Rücken fallen. Am Abend gibt es einen Riesenkrach im Schlafzimmer. Die Frau schrie: Wir haben doch genug Geld, hör auf damit, du musst diesen Posten nicht haben!

Aber Jo wollte nicht aufgeben. Irgendetwas in ihm trieb ihn an. Er wollte es schaffen, auch wenn er selbst schon spürte, dass er absolut an seine Grenzen kam. Er MUSSTE es einfach schaffen, sonst wäre all die Schufterei umsonst gewesen. Es dauerte doch nur noch höchstens 1 Jahr, dann ist alles wieder gut, er hat doch schon fast geschafft. Immer öfter warf er sich abends Tabletten ein, damit er noch Kraft hat, weiterzuarbeiten.  

8 Monate später bekam er seinen Traumjob angeboten. Aber er kann sich nicht mehr freuen. Seine Frau ist mit den Kindern längst ausgezogen.  Jo fühlt sich so leer, so unendlich leer. Er versteht gar nicht mehr, wie das alles passieren konnte.

Es ist nicht alles Gott was glänzt.

Wie weit gehst du, um Erfolg zu haben? Wie viele Opfer bist du bereit zu bringen? Bist du noch frei, deine Pläne zu verändern, oder „musst du da halt durch“, koste es, was es wolle?

Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.(1.Mos 22,2)

Die Geschichte ist für unsere Ohren knallhart. Und doch: Wie viele Väter, wie viele Mütter haben ihre Kinder geopfert auf dem Altar des Erfolgs, der Karriere?

Trotzdem: das ist dann menschliche Verfehlung. Schlimm genug. Aber wie kann Gott so was verlangen?

Historisch gesehen lässt sich die Szene so erklären: Damals, vor 4000 Jahren, war es wohl üblich, dem jeweiligen Gott ein Kind zu opfern, um seinen Segen zu bekommen. Aus dieser Sicht hat Gott dramatisch deutlich gezeigt: Ich will kein Kinderopfer. Bei mir dürfen Kinder leben.

Wir Christen haben mit der Szene aber Probleme, den wir sind sicher: Es kann nicht Gottes Wille sein, dass ein Vater sein Kind opfert.  Andererseits – hat nicht Gott seinen einzigen Sohn für uns geopfert am Kreuz? Gehören diese beiden Geschichten vielleicht zusammen?

Für mich ist die Frage in dieser Geschichte: Gibt es etwas im Leben, was dir so wichtig ist, dass es dir zum Götzen wird? Und dazu deute ich Abraham etwas an: Hat Abraham seinen Isaak vielleicht vergöttert? Abraham war ja damals ausgezogen mit der Verheißung, dass seine Sarah einen Sohn bekommen wird. Aber der kam nicht. Jahrzehntelang nicht. Bis Sarah beschloss: Abraham, wir müssen die Verheißung anders verstehen. Nimm meine Magd und schenke ihr einen Sohn, der soll dann unser Erbe sein. So kam Ismael zur Welt. Und erst als Ismael etwa 12 Jahre alt war, wurde doch noch Isaak geboren. Der langersehnte Sohn. Abraham wird ihn vergöttert haben. Isaak hier, Isaak da. Ismael und seine Mutter Hagar werden in die Wüste geschickt, denn jetzt ist ja Isaak da.  Hatte Abraham vielleicht nur noch einen Kopf für seinen Isaak?

Ich will es heute so deuten. Denn so macht es für mich Sinn. Abraham wird aufgefordert, das zu opfern, was er zu Gott gemacht hat.

Deshalb frage ich dich heute:

Was ist dir im Leben so wichtig, dass du es zu Gott machst? Nicht: Was hast du so lieb, sondern was ist dir so wichtig?

Ist das noch Gott selbst? Oder hast du ihn längst ersetzt durch deine eigenen Ideen vom Leben, durch deine Pläne, deine Ziele?

Nun ist es ja erst mal nichts schlechtes, sich mal zu fordern, um Karriere zu machen. Wir brauchen Leute, die Verantwortung übernehmen. Wir brauchen Leute, die eine gute Schulbildung machen, die Examina ablegen. Wir wissen alle, dass es sinnvoll ist, sich dafür einzusetzen und dass das nicht immer Spaß macht. Gerade für Abschlussprüfungen oder Examina gehen wir oft nah an die Grenze dessen, was man noch aushalten kann.

Aber es gibt einen Punkt, bei Schülern wie Erwachsenen, da überschreite ich diese Grenze. Dann gebe ich nicht mehr mein Bestes, sondern mehr als das Beste.

Ich schlafe nicht mehr, ich schlucke Pillen, damit ich auch nachts noch arbeiten kann, ich arbeite 7 Tage die Woche durch, und das nicht nur für kurze Zeit, wenn Freunde mich einladen, sag ich ab, denn ich muss doch arbeiten, ich muss das schaffen!

Nicht umsonst hat Gott geboten: Du sollst den Feiertag heiligen. 1 Tag in der Woche gehört Gott und deiner Familie. Wenn du diesen Tag auf Dauer durcharbeitest, dann ist da was falsch.

Wer diese Grenze zum Götzendienst überschreitet, entleert seine Seele. Unsere Seele, das ist der Kern in uns, den Gott immer neu auffüllt mit der Quelle des Lebens, mit seiner Kraft und Ruhe. Ich stelle sie mir immer vor wie einen ruhigen See. Diese Seele gehört allein Gott, er macht uns durch seine Quelle stark, weise und ruhig.

Und dann sagen wir:

Ich muss für mein Ziel durcharbeiten. 7 Tage die Woche. Und gießen damit ein Stück der Seele aus. Und wir beschließen, noch mehr zu schaffen, und wieder fließt Kraft aus der Seele. Irgendwann haben wir sie ausgeleert.

Und dann liegen wir im Bett und haben nicht mehr die Kraft aufzustehen. Burnout. Depression, innerlich völlig leer.

 

Die Seele lechzt danach, wieder gefüllt zu werden. Und so füllen die Menschen sie mit Unsinn: Kaufen ganz viele Sachen ein, sammeln  Geld an, jagen von einem Erfolg zum nächsten  - und kurz scheint die Seele gefüllt zu sein, aber mit so was kann man keine Seele füllen. Sie bleibt leer. Ich weiß von einigen Popdivas, etwa von Madonna, dass sie selbst sagt: Ich treibe mich vorwärts zum nächsten Erfolg, damit ich mich spüren kann, und wenn ich kein Konzert habe, fühle ich mich völlig wertlos, leer. Wer bin ich dann noch?

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben, sagt Gott. Damit es dir gut gutgeht, nicht damit Gott gebauchpinselt wird.

Wir waren einmal in einem Seminar bei Anselm Grün, einem Benediktinerpater aus Münsterschwarzach, und er hat erzählt: Zu ihm kommen viele Männer, um von ihm zu lernen, oft Unternehmer. In der ersten Sitzung sitzen sie da wie aufgeblasen, reden viel gewichtige Dinge. Sie merken gar nicht, wie leer ihre Seele ist. Diese Sitzung sind für mich sehr anstrengend, sagte er. Ich arbeite dann mit ihnen. Wir lassen nach und nach die Luft aus dem Ballon. Und nach einer Zeit kommen sie an den Punkt, wo sie es wagen, ihre Seele anzuschauen. Sie erkennen, wie leer sie innerlich geworden sind.

Und dann beginnen wir gemeinsam, mit Gottes Wort die Seele wieder zu füllen. Ganz langsam füllt sie sich wieder. Und am Ende reden diese Menschen weniger, aber ihre Augen leuchten wieder.

Kann dir, kann mir, das auch passieren? Dass ich innerlich immer leerer werde auf der Jagd nach Erfolg, nach Reichtum oder auch anderen Dingen?

Woran würde ich das denn merken?

Ich habe mir ein paar Kriterien überlegt.

  • Ich vernachlässige über einen größeren Zeitraum Menschen, die mir sehr wichtig sind.
  • Ich greife zu Mitteln, die ich eigentlich ablehne, weil ich fürchte, sonst das Ziel nicht zu erreichen: schlucke Pillen, Wachmacher, Drogen.
  • Ich verzichte auf freie Tage, weil ich das Ziel sonst nicht erreichen kann.
  • Ich erlaube mir, jemandem Schaden zuzufügen mit Hinterlist und Tücke, weil ich doch sonst nicht weiterkomme.
  • Allein die Vorstellung, dass ich mein Ziel verfehlen könnte, stellt mich völlig in Frage. Wer bin ich denn dann noch?  Ich MUSS es einfach schaffen.

Wenn du so denkst, muss Gott dich vielleicht ausbremsen. Bei Abraham war es die Forderung, seinen Götzen, seine zu große Liebe zu seinem Sohn, zu opfern, um für sich wieder klar zu bekommen: Ich gehöre Gott. Ich lebe aus seiner Quelle.

Lass die Idee los, dass dein Ziel geschafft werden MUSS. Lasse den Gedanken zu, dass du alles tust, um es zu schaffen, aber wenn es nicht klappt, ist es halt so. Dann gibt dir Gott andere Wege.

Denn das macht den Unterschied.

Ein götze hält dich gefangen, unfrei, macht dich leer.

Gottes Wort aber macht dich stark, füllt deine Seele, gibt dir Leben.

Deshalb: Ich bin der Herr dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Amen.

 

 

 

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