Heute, wenn ihr seine Stimme hört,

verhärtet nicht euer Herz. (Hebr 3,15)

Predigt vom 3.März, Pfarrerin Andrea Nehring

 

Faszinierend, wie selbstverständlich der Text davon ausgeht, dass Gott redet!

Gott hat eine Stimme.

 

Manchmal fahr ich auf die Neubürg hoch, einem Berg, von dem aus man ins ganze Bayreuther Land schauen kann. Da steh ich dann und staune. Ich dreh mich um mich selber und seh unter mir weites Land. Wunderschön. Und über mir den Himmel, am schönsten bei Sonnenuntergang oder nachts, wenn es sternklar ist. Da werd ich ganz still vor Staunen. Mein Herz wird weit, und ich kann die Präsenz Gottes richtig spüren.

Ich wette, dass jeder so einen Ort hat, an dem er die Gegenwart Gottes spürt. Nur nicht jeder findet das gut. Es gibt Leute, die sich dafür ausschimpfen und sagen: Romantisches Gefusel. Bild dir nichts ein, was nicht da ist.

 

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verschließt eure Herzen nicht.

Gott hat eine Stimme. Diese Stimme höre ich, aber anders als andere Stimmen. Ich spüre sie mehr im Herzen. So wie ich manchmal spüre, was Menschen jetzt sagen möchten, obwohl sie nicht reden: Durch ihre Körperhaltung, durch ihren Blick, durch ihre Ausstrahlung weiß ich, ob sich einer wohlfühlt oder am liebsten wegrennen würde, ob einer mich zu Hilfe ruft oder innerlich über mich lacht. Da braucht er gar nichts zu sagen. Das bekomme ich auch so mit.

        Die Bibel sagt: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. Macht sie nicht zu, verschließt sie nicht. Schimpft euch nicht dafür aus, sondern nehmt einfach wahr, wie ergreifend solche Momente sind.

 

Es gibt noch mehr Augenblicke, in dem ich seine Stimme höre. Ich hatte mal eine Freundin zu Besuch, und sie hat mir erzählt, was ihr Sorgen macht. Und auf einmal kommt mir ein Satz in den Sinn. Ich habe ihn laut gesagt, und ihre Augen habe sich mit Tränen gefüllt. Das war so ein besonderer Moment. Und ich weiß: Diesen Satz hat Gott mir geschickt. So fühlt sich Segen an.

           Aber dann gibt es wiederum viele Gespräche, da erzählen mir Menschen von ihrer Not, und ich höre zu, und ich möchte so gern jetzt was Hilfreiches dazu sagen, etwas, was dem anderen wirklich weiterhilft, so dass er Gottes Kraft wieder spüren kann – aber mir fällt nichts ein. Gar nichts. Ich sage Satz um Satz, aber es wirkt nicht so, als würde irgendeiner den Kern der Sache treffen.

           Nicht alles, was man sich so ausdenkt, stammt von Gott. Meistens merken wir es erst im Nachhinein, dass Gott geredet hat, wenn – etwas geschieht, sich Menschen verändern, froher und lebendiger werden.

           Gott hat eine Stimme. Gott spricht. Heute. Mit dir. Das ist bei dem Bibelwort so sonnenklar, dass es gar nicht extra erklärt werden muss:Heute, wen n ihr seine Stimme hört, verschließt nicht euer Herz.

Hört ihm einfach zu.

           Zuhören ist ja jetzt erst mal was, was jeder tut. Sie hören gerade mir zu, im besten Fall höre ich nachher auch ihnen zu, wenn wir beim Kirchenkaffee zusammenstehen. Aber es gibt Gespräche, da redet man lange miteinander und trotzdem bleibt der Inhalt leer. Solange das unter Smalltalk und Kennenlernen läuft, hat es seinen Sinn. Aber manchmal will mir einer was sagen, was Wichtiges. Und ich hör gar nicht hin.

 

Es gibt 2 entscheidende Fehler beim Zuhören, die die meisten Menschen machen.

Der erste Fehler:

Sie nehmen die Worte des anderen als Ideenbox für eigene Anekdoten und Geschichten. Der andere wird zum Stichwortgeber.

Das kann dann so klingen: „Ich habe gestern einen schlimmen Unfall erlebt“, sagt er. „O, ja“, sagt sie, „das ist furchtbar. Ich bin einmal in Garmisch voll im Stau gestanden deswegen. Da war.. blabla bla“

Hätte sie etwas von dem Mann erfahren, von seinem Erschrecken, seinen Gedanken über das Leben? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Aber durch ihre eigene Anekdote hat sie diese Tiefe verhindert, hat ohne Worte gesagt: Ich will keine tieferen Gespräche, die machen mir Angst. Bleib an der Oberfläche. Oder sie hat gesagt: Ich möchte hier von mir erzählen. Deine Erlebnisse interessieren mich eigentlich eher weniger.

Ich mach sowas. Sie auch? Und später beiß ich mich auf die Zunge und denk: Warum tust du so was? Nix gelernt, oder was?

 

Ich merke, dass ich das manchmal auch beim Beten mache. Ich sage Gott: Kannst du dich bitte um diesen kranken Menschen kümmern? Und bevor ich diese Worte auf der Zunge habe, fällt mir der Blumenstrauß ein, den ich noch kaufen muss meine Mutter, und dann darf ich nicht vergessen, die Jacke zur Reinigung – mein Gebet besteht aus Stichworten, es ist eigentlich ein To do Zettel, weil ich das erste Mal am Tag Zeit zum Nachdenken habe!

            Ich gebe Gott keine Chance zu reagieren. Und wunder mich, wenn ich ihn nicht höre.

 

Der zweite Fehler beim Zuhören ist:

Ich denke, dass ich schon weiß, wie es weitergeht, und deshalb unterbreche ich den anderen.

Ich hatte mal eine kleine Gesellschaft eingeladen, bei denen ich nicht zu Wort kam. Und wer mich kennt, der weiß, dass das ungewöhnlich ist. Aber diese Menschen waren so aufeinander eingespielt, dass der eine den anderen immer schon bei der Hälfte des Satzes unterbrochen und weitergeredet hat, und der wiederum war noch nicht fertig, da hatte schon ein dritter das Wort. Es gab keine Lücke, zwischen die ich meine Worte hätte klemmen können. Ich bin immer stiller geworden und habe ich mich immer fremder gefühlt. Und gleichzeitig weiß ich, dass ich selber auch oft mache.

          Unterbreche ich Gott auch, wenn er redet? Denke ich, dass ich eh schon weiß, was er mir sagen wird – dass das echt dumm war von mir, dass ich das wieder gut machen muss, dass ich endlich was ändern muss, dass ich Geduld haben soll - und weil ich das nicht hören will, plappere ich schnell weiter?

          Es gibt ein Comedystück, in dem ein Mann ein Vater unser betet. Vater unser im Himmel, beginnt er.  Da hört man Gott antworten. „Ja, was möchtest du?“ Und der Mann sagt: „Unterbrich mich nicht, Herr. Ich bete.“

           Vielleicht will Gott etwas ganz anderes zu dir sagen. Vielleicht hat er einen Gedanken, den du noch nie gedacht hast, aber du wagst nicht, hinzuhören. Vielleicht will er dich gar nicht zurechtweisen, sondern will sagen: Entspann dich. Genieß dein Leben mal, höre auf mit deinen Plänen, sonst entgleitet es dir. Ich bin doch da.

           Vielleicht bist du ganz verzweifelt, und Gott hätte eine Idee, die er dir gern flüstern würde – aber du wagst nicht zuzuhören, weil du eigentlich auch nicht erwartest, dass Gott bessere Ideen hat als du.

          Heute, wenn du seine Stimme hörst, verschließe nicht dein Herz.

Höre ihm zu. Unterbrich ihn nicht mit deinen Gedanken. Erzähl ihm keine Anekdoten. Sag was dich wirklich betrifft. Er weiß es ja eh, du brauchst nicht zu blöffen. Meine Erfahrung ist: Gott antwortet. Nicht immer gleich in diesem Gebet, aber bald danach in meinem Leben. Irgendetwas passiert oder irgendjemand sagt was, und ich merk: Das war Gottes Antwort.

Gott hat eine Stimme. Er spricht. Heute. Zu dir.

 

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Pfarrerin Andrea Nehring