Himmelsleitermomente

Predigt vom 22.9.19, Pfarrerin Andrea Nehring

1.Mos 28

Aber Jakob zog aus von Beerscheba und machte sich auf den Weg nach Haran

11 und kam an eine Stätte, da blieb er über Nacht, denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm einen Stein von der Stätte und legte ihn zu seinen Häupten und legte sich an der Stätte schlafen.

 

Jakob befindet sich in einer Art "Zwischenland". Gerade noch hat er seinen Zwillingsbruder Esau übelst betrogen. Er hat mithilfe seiner Mutter den Erstgeburtssegen vom Vater erschlichen. Ein paar Stunden lang war er am ersehnten Ziel seines Lebens, Nachfolger für den Chefposten der Großfamilie, mit dem Segen Gottes im Herzen. Und dann hat es Esau gemerkt. Den bring ich um! hat er hasserfüllt gezischt. Und die Mutter hat Jakob vorsorglich auf Brautschau geschickt, weit weg von zuhause. Sie hat wohl gehofft, dass sich die Wogen geglättet haben, bis Jakob wiederkommt.

 

Und jetzt ist er los, mit leichtem Gepäck auf dem Rücken, vielleicht eine Art Mantel, mit dem er sich nachts einkuscheln kann, einen Tonkrug zum Wasserschöpfen, Brot und Käse, Pfeil und Bogen, ein Messer, Feuersteine, ein Flasche Öl. So läuft er los in die Wüste. Der Weg in die Vergangenheit ist versperrt. Der Weg in die Zukunft ist völlig offen. Das schlechte Gewissen nagt an seinem Herzen. Die Sonne geht unter, die Nacht steigt auf. Mit der Nacht die Gedanken, die Vorwürfe, die Einsamkeit. Ungewisses Land zwischen Vergangenheit und Zukunft.

 

Im Zwischenland ist man immer dann, wenn das Alte zu Ende geht und das Neue noch nicht angefangen hat. Ich weiß noch, wie seltsam das Gefühl war, hier in Bayreuth anzukommen und mein Kalender war – leer. Keine Termine. Alles war möglich, es konnte gut und es konnte schlecht werden.

 

Im Zwischenland waren viele von euch Flüchtlingen. Die Verbindung nach Hause war gekappt, alles ist jetzt möglich – zum Guten aber auch zum Schlechten. Manche sind nach Jahren immer noch in diesem Zwischenland zwischen Vergangenheit und Zukunft, bangen um ihre Bleibe, um Arbeit.

 

12 Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.

13 Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.

14 Und dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, und du sollst ausgebreitet werden gegen Westen und Osten, Norden und Süden, und durch dich und deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden.

15 Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.

16 Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!

 

Eine Leiter zu Gott. Engel, die hinauf -und herunterlaufen. Und ganz oben Gott selbst, verborgen im Licht. Seine Stimme, vielleicht wie Wasserrauschen, wie Donnergrollen. Er erneuert seine Zusage, die er schon Jakobs Großvater Abraham und seinem Vater Isaak gegeben hat. Ich werde dich zu einem großen Volk machen. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land.

Was für ein Moment! Es gibt Augenblicke, die alles verändern: Himmelsleiter-Momente, in denen wir Gott begegnen, seine Stimme hören. Da spricht er zu uns, und wir wagen kaum zu atmen, weil wir wissen, dass er es ist.

Ein Mann aus unserer Gemeinde hat mir letzte Woche von einem solchen Moment erzählt. Er war so etwa 18 Jahre alt, er ging an einer Straße entlang und er hatte so viele Wünsche. Die brachte er vor Gott, ein Paket von Wünschen und Bitten eingepackt in jugendlichen Frust und Ungeduld. Gott, warum gibst du mir das nicht? Ich warte schon so lange. Und jenes brauche ich auch, unbedingt.

Plötzlich blieb er stehen. Er hatte den Eindruck, dass jemand sagt: Schau an, was ich dir bereits gegeben habe. Die Scham stieg ihm ins Gesicht, als ihm bewusst wurde, was Gott ihm ohne Zögern schon alles gegeben hatte: Eltern und Geschwister, ein liebevolles Zuhause, Ausbildung und Arbeit, Geld und Freunde, Essen, Trinken. Das alles sah er so klar vor sich wie Jakob die Himmelsleiter. Heute lacht er und sagt: Seitdem habe ich nie mehr Gott um etwas gebeten. Stattdessen sage ich öfter: Danke Gott. Du gibst mir so unendlich viel.

Das sind die Momente, die alles verändern, Momente, in denen Gott zu uns spricht, oft völlig unerwartet, und in denen wir mit Jakob sagen: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wusste es nicht!

Erinnern Sie sich an solche Himmelsleiter - Momente?

Für mich war es z.B. der Augenblick, als mein Pfarrer zu mir sagte: Warum wirst du nicht Pfarrerin. Wau. Ich war noch nie auf die Idee gekommen, dass dieser Beruf für eine Frau möglich ist. Ab dem Moment wusste ich, was ich will, und habe es nie bereut – ich hoffe, Sie auch nicht.

Aber lesen wir weiter:

17 Und Jakob fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.

18 Und Jakob stand früh am Morgen auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Steinmal und goss Öl oben darauf

19 und nannte die Stätte Bethel; vorher aber hieß die Stadt Lus.

20 Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben und Kleider anzuziehen

21 und mich mit Frieden wieder heim zu meinem Vater bringen, so soll der HERR mein Gott sein.

22 Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben.

 

Ich finde es wahnsinnig spannend, was Jakob jetzt macht.

Das erste:

Jakob hält diesen Himmelsleiter-Moment fest. Damals mit einem Steinmal, über das er sein Öl gießt – das wenige Öl aus seinem Reisegepäck gibt er für diesen Ort, an dem er Gott begegnet ist, um ihn nicht zu vergessen.

 

Ich habe mir jetzt ein kleines Büchlein gekauft. Weil ich die Nase voll davon habe, dass ich immer wieder großartiges von Gott erlebe und es einfach nach einer Zeit wieder vergesse. Ich schreibe meine persönlichen kleinen und großen Wunder in das Büchlein. Es ist mein Steinmal. Manche nehmen auch etwas mit, einen Stein, eine Feder, etwas, das sie immer wieder erinnert: Gott ist bei dir.

Wie erinnern Sie sich an die Himmelsleiter-Momente?  

 

Das zweite, was er macht, ist:

Jakob bekennt sich zu Gott. Er sagt: Wenn das so ist, dass du auf mich aufpasst und mir ein so wunderbares Leben ermöglichst und mich sogar zurückführen wirst zu meinen Lieben, dann sollst du ab sofort mein Gott sein. Vielleicht sagen Sie: Aber er war doch schon immer sein Gott. Ja, aber bis jetzt war er der Gott seiner Väter. Jetzt aber bekennt er: Du bist mein Gott.

 

Dieses Bekenntnis braucht jeder Glaube. Irgendwann kommt jeder an den Punkt, wo er sich entscheiden muss: Will ich, dass Jesus Christus mein Gott ist, oder lass ich´s. Irgendwann trägt der Glaube der Väter und Mütter nicht mehr. Da begegnet Gott dir ganz persönlich. Dann entscheide dich für ihn. Die Konfirmation ist so ein Ritual für diese Entscheidung. Aber auch später wird es solche Momente immer wieder geben.

 

So soll der HERR mein Gott sein“, das klingt nicht besonders großartig. Naja, das Versprechen kostet ihn ja nichts. Jeder hat irgendeinen Gott. Aber falsch gedacht. Jakob lässt es sich sehr wohl etwas kosten.

 

Und dieser Stein, den ich aufgerichtet habe zu einem Steinmal, soll ein Gotteshaus werden.

Jakob gibt Gott einen Raum, gibt seinem Glauben einen Ausdruck. Er nimmt sich vor, hier eine Kapelle zu bauen. Das ist ihm Gott wert.

 

Ich muss an ein Ehepaar in Destuben denken, die Jesus innig um Heilung für Familienmitglieder gebeten haben, und er hat sie erhört. Als sich herausstellte, dass alles gut ausgeht, haben sie auf dem Feld ein Marterl hingestellt, damit Gottes Lob sichtbar wird. Sie haben ganz wörtlich Gott einen Raum gegeben.

 

Gebt Gott einen Raum, wenn ihr ihn bekennt. Einen Ort, der euer Gebetsort wird, eine Zeit, in der ihr mit ihm im Gespräch seid, oder malt ein Bild, dichtet ein Gedicht – keine Ahnung, was deine Art ist, ihm Raum zu geben. Aber tu es.

 

Und Jakob lässt sich seine Beziehung zu Gott noch mehr kosten: und von allem, was du mir gibst, will ich dir den Zehnten geben. Von allem den Zehnten! Und da beschweren wir uns über die Kirchensteuer. In der Freikirche ist das immer noch üblich: die Gemeindeglieder geben der Gemeinde ein Zehntel ihres Verdienstes. Jakob macht das freiwillig! Er gibt Gott ab sofort den zehnten Teil dessen, was ihm Gott schenkt, zurück. Wenn du Jesus Christus bekennst als deinen Gott, wird auch dein Geldbeutel betroffen sein.

 

Gott begegnet dir. Oft gerade dann, wenn du im Zwischenland bist, noch nicht recht weißt, wie es weitergehen soll. Du hörst seine Stimme.

Antworte ihm und bekenne aus ganzem Herzen: Ich will, dass du mein Gott bist.

Lebe dieses Bekenntnis.

Gib Gott Raum,

gib ihm einen Anteil von deinem Besitz und Geld.

Und vergiss nie, was er dir Gutes getan hat. Amen.

 

 

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Pfarrerin Andrea Nehring