Predigt über Markus 4,35ff: Schläft Jesus?                         gehalten am 10.2.19 von Pfarrerin Andrea Nehring

Im Psalm 121 steht:  Der Herr schläft noch schlummert nicht. Aber in dieser Geschichte schläft er doch. Ih sehe dieses Bild vor mir, wie die Jünger versuchen ihr Boot durch den Sturm zu bekommen – und Jesus hinten seelenruhig schläft. Auch noch auf einem gemütlichen Kissen.

 

Und ich merke, dass es mich ärgert. Hat er nicht gesagt, er ist immer da, wenn ich in Not bin? Na toll. Und jetzt schläft er. Bin ich doch allein, auf mich selber angewiesen?

 

Ein Mann hat diese Woche die Nachricht bekommen, dass sein Vater im Koma liegt. Er schreibt uns: Betet für mich, dass ich ihn noch einmal sehen darf! Einen Tag später war der Vater tot. Er konnte ihn nicht mehr sehen. Hat Jesus geschlafen?

Unsere Flüchtlinge warten zum Teil seit 3 Jahren auf Anerkennung. In diesem Monat einen Christen aus Kulmbach und eine christlichen Familie aus Bamberg in Abschiebehaft genommen mit der Begründung, sie können doch im Iran ihren Glauben einfach verleugnen. Mahnwachen und Unterschriftenlisten laufen, aber es ändert sich nichts. Schläft Jesus?

 

Schauen wir den Text nochmal genau an. Die Jünger gehen mit Jesus auf das Boot und fahren hinaus. Und dann heißt es bei Markus:

Ein großer Windwirbel erhob sich und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde.

Ein Windwirbel. Ein Wirbelsturm?

 

Ich kenne Wirbelstürme fast nur aus Amerika, da allerdings richtig heftig. Im Fernsehen sieht man dann immer diese Bilder, beeindruckend große Wind- und Wolkenmassen, die im Kreis wehen und an Geschwindigkeit aufnehmen. Sie bedrohen alles, was sich ihnen in den Weg stellt.

 

Mich fasziniert, dass diese Wirbelstürme immer ein Auge haben. Mitten im Sturm gibt es einen Ort, an dem ist absolute Ruhe. Kein Wind. Keine Wolke. Rechts und links davon bauen sich locker 10 km hoch Wolkenwände auf und tosen die Sturmgewitter.

Jesus schläft. Mitten im Sturm. Es ist, als wäre er im Auge des Wirbelsturms, würde gar nichts von all der Not mitbekommen.

 

Die Wellen schlugen ins Boot, sodass das Boot schon voll wurde. Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.

Er ist im Auge des Sturms. Ein Ruhepol mitten im Chaos. Der Sturm kann ihm keine Angst machen, so wenig, dass er nicht einmal wach wird davon, dass das Wasser über ihn hinwegduscht.

 

Dieses Bild ist ein Abbild dessen, was in unserer Seele geschieht. Gott lebt in unserem Herzen. Er hat da einen Platz. Einen Platz mit einem Kissen, weil er da echt gern ist und es ziemlich gemütlich findet.

 

Und wenn unser Leben stürmisch wird und tobt und an uns zerrt – dann ist er immer noch da. Er ist der Platz, an dem ich trotz Wolkenwänden Ruhe finde. Der Platz, an dem ich dennoch schlafen kann, weil ich weiß: Jesus hat es im Griff. Er weiß, wie mein Leben weitergeht. Er wird auf mich aufpassen. Ich vertraue ihm.

 

 

Wir haben letzte Woche gemeinsam den Film "Die Hütte" angesehen, ein Film, indem ein vom Leben schwer gebeutelter Mann von Gott eingeladen wird auf eine Hütte. Dort trifft er Vater, Sohn und Heiligen Geist in Gestalt von supernetten Menschen. Und dann gibt es diese eine Szene:

Der Mann schippert allein mit einem Ruderboot auf den idyllischen See. Und plötzlich holt ihn all das ein, was sein Leben zerstört hat. Bilder von diesen traumatischen Szenen tauchen im Wasser auf, das Wasser wird schwarz und fängt an zu brodeln, die Planken brechen, das Wasser quillt in das Boot – Panik. Und dann hört man Jesu Stimme auf dem Wasser – die Bibelfesten wissen, dass er übers Wasser gelaufen war – und er sagt: Schau zu mir! Aber der Mann kann nicht wegschauen, die Angst füllt ihn völlig aus. Und Jesus sagt: Schau zu mir. Und dann endlich, als er aufschaut, in Jesu Augen, da beruhigt sich das Wasser, die Planken schließen sich.

Es gibt einen Ort in dir, in dem schläft Jesus. Da kannst du immer hin und ihn aufwecken.

 

Die Jünger haben offensichtlich erst einmal gekämpft gegen Sturm und Wellen. Und irgendwann haben sie gemerkt: Wir schaffen das nicht. Keine Chance. Und an der Stelle, wo man dann Gott zu Hilfe ruft, ist ihnen wohl gekommen, dass Jesus doch im Boot war. Sie sehen sich um und er schläft. Auf seinem Kissen. Seelenruhig.

 

Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nicht danach, dass wir umkommen?

Und jetzt passt auf!

Jesus wacht auf, und der Wind heult und pfeift, und die Wellen krachen in das Boot, das Wasser tobt, und dann

stand er auf und bedrohte den Wind und  sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme. Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.

(wir hören auf die Stille)

Wahnsinn, oder?

Das ist gruselig, wenn so ein tobender Sturmwind mit einem Mal weg ist, wie mit einem Lichtschalter ausgeknipst. Kein Wunder, dass sich die Jünger fürchten. Wind und Meer sind ihm gehorsam.

 

Er hätte auch nur sagen können: Jetzt habt doch keine Angst. Ich bin ja da. Alles wird gut. Reg dich nicht auf. Aber er zeigt uns seine Macht. Damit wir glauben.

 

Aber genau das fällt uns so schwer. Habt ihr noch keinen Glauben? Was seid ihr so furchtsam? Fragt Jesus, fast enttäuscht.

 

Ja, es fällt mir schwer, so zu glauben, wie Gott das möchte. Ihm so rundherum zu vertrauen. Zu schlafen, wenn um mich her die Welt zusammenbricht. Ich denke dann immer an all die Wünsche, die ich hatte, und die nicht erfüllt worden sind –

Menschen, die trotz Gebet gestorben sind, Menschen, die trotz Gebet ihr Leid bis zum bitteren Ende tragen mussten,

und der Zweifel kriecht mir ins Herz und ich denke: Wird Jesus auch meinen Sturm bändigen? Und wann endlich? Warte ich nicht schon viel zu lange?

 

Hast du noch keinen Glauben? Ich höre Gottes Enttäuschung heraus.

Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben! Ich kann nicht mehr aus mir heraussetzen. Mehr Glauben ist nicht da! Jetzt bist du dran, Gott! Hilf mir glauben!

 

Es tröstet mich, dass selbst die Jünger es nicht glauben konnten, und die hatten ihn live vor sich. Die haben solche Wunder miterlebt. Die müssten es echt besser wissen. Aber sogar sie fürchten sich nur.

Wir haben nur eine echte Chance. Schau auf Jesus.

 

Es ist doch wirklich komisch. Wenn Gott unser Gebet erhört, wirkt es wie Zufall. Wenn Gott unser Gebet nicht erhört, sind wir enttäuscht.

Eine Frau in meinem Alter erzählte mir, dass sie im Herbst einen Herzstillstand hatte. Sie war tot. Hunderte von guten Zufällen machten es möglich, sie wieder ins Leben zurück zu holen. Sie sagt. Ja, ich bin schon dankbar. Aber ob das Gott war?

 

Habt ihr noch keinen Glauben, seufzt Jesus. Machen wir es ihm doch nicht so schwer.

 

Wir Menschen sind schon komisch.

Letzte Woche habe ich meinen Schlüssel nicht gefunden. Bin in der ganzen Wohnung hin und her geflitzt, ich musste doch los! Lieber Gott, lass mich diesen Schlüssel finden. Und dann hab ich ihn gefunden. Puh. Ab ins Auto und los. Nach 5 Minuten hatte ich ihn vergessen.

Hätte ich ihn nicht gefunden, hätte ich ins Schlüsselgeschäft müssen, 200 € zahlen, Ärger gehabt, wäre es eine Anekdote für mein Leben geworden.

So sind wir! Das gute vergessen wir sofort, und das, was nicht so passiert, wie wir das wollen, das merken wir uns jahrelang!

Habt ihr noch keinen Glauben, seufzt Jesus.

 

Vertrauen wir ihm, denn sogar dann, wenn er gerade schläft, ist er für uns da. Er hat die Macht, unseren Sturm zu stillen. Er ist unser Ruhepol im Auge des Windwirbels.

 

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Pfarrerin Andrea Nehring