Seid bereit!

Predigt zu Lukas 17,20-33,

gehalten von Pfarrerin Andrea Nehring am 6.Nov 19

 

Seid bereit für den Moment, an dem Jesus seine Herrschaft über die Welt beginnt.

Mit deftigen Worten malt Jesus Bilder von diesem Tag, an dem er als göttlicher Herrscher auf die Erde wiederkommt und sein Reich aufrichtet. Wie ein Blitz wird er kommen, die Nacht leuchtet auf vom Osten bis zum Westen. Und eindeutig wird es sein, kein Zweifel möglich.

Es wird sein wie bei Noah: Gerade noch war das Leben so normal, so unauffällig – „sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten“ und auf einmal ist alles anders. Gerade haben sie über den Glauben gespottet, und plötzlich kam die Flut und es war zu spät, um Gott ernst zu nehmen.

Es wird sein wie bei Lot: Gerade fühlten sie sich so sicher. Lot wollte ja seine Schwiegersöhne in spe mitnehmen. Aber die haben ihn nur ausgelacht. Der Spinner halt mit seinem Gottgeschwafel. Und plötzlich kommt dieses unglaublich heftige Gewitter über Sodom und Gomorrha, das die Häuser nur so abfackelt und am Ende bleiben nur Schutt und Asche.

Plötzlich und unerwartet wird Jesus wiederkommen, die Gewalt und Bosheit der Welt beenden und seine Herrschaft durchsetzen.

 

Will ich das? Wollen Sie das? Es ist doch schön hier. Ich liebe mein Leben! Nachts den Sternenhimmel, morgens die Amsel, die auf der Baumspitze trällert, das Kind, das seine zarte Hand in meine schiebt, die Party, auf der wir ausgelassen lachen. Ich will eigentlich gar nicht, dass das vorbei geht. Wollen Sie das?

Das ist freilich eine sehr europäische Sicht.

Denn vieles von dem, was uns in Gottes Reich erwartet, ist bei uns in Europa tatsächlich schon da. Wir leben frei, ohne Angst vor dem Staat und Polizei, Prügel, Gewalt und Folterung, wir bekommen Geld für unsere Arbeit, und das Geld reicht wenigstens zum Leben. Wir dürfen in Geschäften alles kaufen, was wir brauchen, ja wir können sogar nachts auf die Straße, weil keine Gefahr droht.  Es geht uns gut. Ein bisschen von Gottes Reich ist bei uns spürbar.

 

Aber wenn ich weltweit schaue, gibt es schon einiges, das vorbei gehen soll. Krieg, Gewalt, Folter. Kinder mit dicken Hungerbäuchen und Fliegen auf den Augen. Eltern spindeldünn und ohne medizinische Hilfe. Verzweiflung und Tränen. Das wäre dann endlich vorbei.

Seid bereit, sagt Jesus. Mein Reich kommt. Es ist schon mitten unter euch.

 

Diese Woche haben wir eine Sendung im Fernsehen gesehen über die DDR. Da haben sie Leute interviewt, die damals geflüchtet sind. Eine Gruppe von Leuten hat an einem Tunnel in den Westen gearbeitet. Viele Familien haben gehofft, über den Tunnel in den Westen fliehen zu können.

Eine Frau erzählte: Ich wartete. Es konnte jeden Moment sein.. Ich wusste: Wenn der Tunnel fertig ist, haben wir 1 Stunde Zeit. In dieser Stunde müssen wir es geschafft haben. Wir hatten ausgemacht, dass jemand am Haus vorbeifährt, kurz hupt und ein Zeichen gibt. Dann sollte ich meine Kinder und mein Gepäck packen und binnen kurzer Zeit an der abgemachten Stelle sein. Ich wagte es nicht mehr, meine Kinder zu Freunden zu lassen, vor lauter Angst, das Zeichen käme genau dann.

Aber dann bekam ich eine Nachricht: Es dauert auf jeden Fall noch 2 Wochen, sagte der Bote. Fast erleichtert lud ich Freunde und Nachbarn zu einem Kaffeetrinken ein. Die Bude war voll - und draußen hupte jemand. Ich sah aus dem Fenster, sah ein Motorrad. Der Fahrer gab das Zeichen. Jetzt oder nie.

Seid bereit.

 

Das ist die Position, in der Jesus uns gern hätte. Lebt euren Alltag, aber seid bereit für den großen Moment, wenn er sein Reich aufrichtet, wenn er euch ruft.

 

Sie kennen dieses Reich. Gott hat die Sehnsucht nach seinem Reich in unsere Seele gelegt. Sie merken es, wenn Sie etwas Schlimmes erleben oder hören. Ich habe mal eine Mutter von 4 Kindern in den Tod begleitet. Es hat mich wütend gemacht. Warum musste sie sterben, wo sie doch Menschen hatte, die sie so dringend gebraucht hätten. Und umgekehrt: Warum darf ein Mensch nicht sterben, der seit Jahren nur noch im Bett liegt und mit Tränen verzweifelt bittet, sterben zu dürfen. Das ist doch ungerecht, falsch! Es sollte anders sein!

 

Diese Wut zeigt, dass wir ein klares Bild davon haben, was eigentlich richtig wäre. Wir sollten gesund sein. Wir sollten in Frieden und Freiheit leben. Wir sollten zu Essen und zu Trinken haben. Wir sollten Menschen bei uns haben, die uns lieben. Die Jungen sollten leben und die Alten in Frieden sterben dürfen. So wäre es richtig!

 

Aber so ist es nicht auf Erden. Noch herrschen Gewalt und Unfrieden, noch setzen sich Hass und Unwissen immer wieder durch.

 

Das musste auch Jesus selbst erleben. Aber vorher wird er viel leiden müssen. Diese Generation wird ihn wie einen Verbrecher behandeln. Er wurde gefangen genommen, ausgepeitscht, verspottet, gekreuzigt. Das volle Programm an Gewalt hat er durchgestanden. Gerade deshalb konnte er siegen, der Tod konnte ihn nicht halten, er ist auferstanden. Er ist die Liebe, und er ist der Herrscher über die Erde. Die Liebe wird sich durchsetzen. Nur wann. Noch herrschen Gewalt, noch fürchten wir Kriege und Unfreiheit, weil sie leicht möglich sind.

 

Manche Menschen radikalisieren sich deshalb, wollen ihr eigenes Reich aufbauen. Sie wählen Leute, die ihnen was besseres versprechen, durch ein neues System, rechts oder links, einfach anders. Muss doch dann endlich besser werden. Und manche versuchen es mit Gewalt und Drohungen, setzen Politiker unter Druck und denken, dass sie ihr Leben so besser wird.

Aber das sind alles nur verzweifelte Versuche, die Herrschaft selbst in die Hand zu nehmen, meist von Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens leben. Sie vertrauen nicht Gott, sie hoffen nicht auf die Liebe, sondern hauen lieber in ihrer Wut schon mal los.

 

Wirklich erlöst sind wir erst, wenn Jesu Herrschaft anbricht. Er ist der Friedefürst, der wirklich Frieden schafft. Seid bereit. Vertraut ihm. Wartet auf sein Zeichen.

 

Wer an jenem Tage auf dem Dach ist und seinen Hausrat im Haus hat, der steige nicht hinunter, um ihn zu holen.

Wir haben kürzlich Probefeueralarm gehabt in der Schule. Was für eine Aufregung. Meine spannende Geschichte – die Israeliten mitten im Schilfmeer fliehen vor ihren ägyptischen Verfolgern – sie war binnen Sekunden vergessen, unwichtig. Die Kinder rannten zur Tür, stellten sich auf, keine Zeit, um die Schultasche zu packen. Frau Nehring, darf ich schnell meine Schuhe anziehen? Ich bin sonst strumpfig. Frau Nehring, darf ich mir eine Jacke holen? Und draußen dann aufgeregtes Chaos. Manche erzählen dramatische Feuergeschichten, andere lachen erleichtert, dass nirgendwo Rauch zu sehen ist.

 

Wenn Jesus wiederkommt, hast du keine Zeit mehr, deine Sachen zu ordnen. Dann ist alles, was gerade war, schlagartig unwichtig. Schau nicht zurück, geh auf ihn zu. Du gehst deinem Herrn entgegen, und nichts ist so wichtig wie er. Dein Herz klopft, und du weißt: Jetzt wird alles gut. Wirklich gut. Endlich.

 

 

 

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Pfarrerin Andrea Nehring