Tretet herzu zum Thron der Gnade.

Predigt von Pfarrerin Andrea Nehring am 10.3.19

 „Lasst uns hinzutreten zum Thron der Gnade.“

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind – wie auch immer – plötzlich aus dem Leben herausgeworfen worden und befinden sich nun auf dem Weg zu Gott. Zu dem Gott, der über Ihr Leben sein Urteil sprechen wird. Das glauben alle Religionen, dass der Mensch einmal Rechenschaft ablegen muss vor Gott und dann das Urteil bekommt. Was geht Ihnen durch den Kopf?

Als ich das ausprobiert habe, war mir nicht ganz wohl zumute. Mir kamen Bilder in Erinnerung: Wie ich ins Arbeitszimmer meines Vaters gerufen wurde, weil er etwas mit mir besprechen will.

Wie ich die Tür zu dem Saal öffne, in dem ich Examen schreiben werde.

Aber auch, wie ich mit Wehen in die Klinik ging und mir bange war vor dem, was auf mich zukommt.

Wie der Moment auf dem Schlauchboot, als ihr Iraner auf der Flucht eingestiegen seid und nicht gewusst habt, ob das euer Ende ist?

Es ist der Moment der Wahrheit. Gott wird mir alles vorlegen. Was ich Gutes und was ich Schlechtes getan und gedacht habe. Aber auch, warum ich so gehandelt habe, wer mich verletzt hat, welche Umstände mich niedergedrückt haben.

Da kann man schon mal ein flaues Gefühl im Bauch bekommen.

Vor allem hat jeder eine Ahnung davon, was Gott zu seinem Leben sagen könnte.  

 

Der Predigttext heute erinnert uns an ein paar entscheidende Fakten in dieser Szene, die wir leicht vergessen:

Hebr 4,14-16

Lasst uns also unerschütterlich an unserem Bekenntnis zu Jesus Christus festhalten, denn in ihm haben wir einen großen Hohenpriester, der vor Gott für uns eintritt. Er, der Sohn Gottes, hat den Himmel durchschritten.

15 Doch er gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind. Jesus Christus musste mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, doch im Gegensatz zu uns hat er nie gesündigt.

16 Darum lasst uns mit Zuversicht hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

 

Ich trete mit Zuversicht zu dem Thron.

 

Ich weiß noch genau, wie nervös wir alle waren vor unseren mündlichen Prüfungen. Freilich hatten wir alle gut gelernt. Aber es kam auch darauf an, wer der Prüfer sein würde. Da gab es Professoren, die ließen ihre Prüflinge richtig schwere Texte in Griechisch oder Hebräisch übersetzen – und das ist nicht jedem wirklich gegeben. Es gab Professoren, die waren bekannt für ihre schlechte Laune oder für so seltsame Sachen wie „Bei dem kommen Frauen mit Ausschnitt leichter durch“. Gerüchte? Wir gingen also in das Gemeindehaus, in dem die Prüfungen abgehalten wurden, schauten auf den Laufzettel und mir fiel ein Stein vom Herzen: Ich kannte den Prüfer. Und ich wusste: Er mag mich. Und er war auch noch bekannt für faire Fragen und Beurteilungen.

Ich bin „mit Zuversicht“ vor den Thron getreten.

 

 

Wir wissen auch, wer das Urteil spricht: Jesus Christus. Ich kenne ihn. Er liebt mich.

Er versteht meine Schwächen.

Er leidet mit mir mit.

Er hat gegen dieselben Versuchungen angekämpft wie ich – doch ohne Sünde.

 

In der Lesung (Mt 4) haben wir ein paar Versuchungen kennengelernt, wie Jesus sie hatte, und ich muss sagen: Nein, es waren nicht dieselben. Mir hat noch niemand angeboten, aus Steinen Brot zu machen. Wobei es sicher den einen oder anderen gibt, der schon mal hoch oben stand und der Versuchung widerstand, durch einen kurzen Sprung seinem Leben ein Ende zu setzen – aber sogar der wird niemals darauf gehofft haben, dass ihn Engel mitten im Sprung auffangen.

 

Ich denke es geht eher um andere Versuchungen:

Den Moment im Garten Gethsemane, als er bitterlich weinte und versucht war, alles hinwerfen. Er hatte solche Angst. Aber er hat der Versuchung widerstanden.

 

Das kenne ich eher. Da kämpft man für eine gute Sache, bekommt aber fürchterlich Gegenwind und wirft dann alles hin! Wie oft hören wir von euch Iranern: Ihr habt negativ bekommen – dürft nicht bleiben, keiner nimmt euren Glauben ernst. Wer hätte nicht Lust, dann alles hinzuwerfen. Wieviel Mut kostet Jesu Entscheidung: Nicht mein Wille, sondern Dein Wille, Gott, geschehe.

 

Ich denke an die Versuchung, im Schmerz die Welt zu verfluchen und ihnen allen Rache zu schwören. Und Sie kennen Menschen, die so verletzt worden sind, dass sie niemandem mehr trauen und ihre Stacheln ausfahren, sobald sich auch nur jemand nähert. Aber das sind die Werke des Teufels, die einen nur festhalten in der Wut und keine Erlösung erlauben.

So viele Menschen kommen mit ihrem Leben nicht klar und schwören allen anderen Rache, geben ihrer Wut nach, hauen einfach wild um sich. So wie der Messerstecher im Jobcenter diese Woche, der einfach hingeht und versucht, einen jungen Mann zu erstechen. Gott sei Dank ist es ihm nicht gelungen. Aber er hat mit seiner Aktion den Willen der Mitarbeiter zur Zusammenarbeit rasant abgekühlt.

 

Der Wochenspruch lautet: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. All diese Versuchungen sind Werke des Teufels, sollen uns abhalten von Gott. Und Jesus zerstört sie. Sie können uns nichts mehr anhaben, wenn wir ihm vertrauen.

 

Wir treten vor den Thron der Gnade.

Jesus Christus sitzt darauf.

Er versteht meine Schwächen.

Er leidet mit mir mit.

Er hat gegen dieselben Versuchungen angekämpft wie ich – doch ohne Sünde.

 

Das ist der Grund für unsere Zuversicht.

Er ist die Gerechtigkeit, die Wahrheit. Und er ist auf unserer Seite.

 

Schauen wir uns noch an, was bei diesem Thron dann geschieht:

Darum lasst uns mit Zuversicht hinzutreten zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

 

Wenn wir an die letzte Abrechnung denken, denken wir: Dann empfange ich die gerechte Strafe. dann finde ich die Endabrechnung, das Urteil Gottes. Aber:

Gott will mich nicht fertig machen im letzten Gericht. Sondern er wartet in seiner Liebe, damit endlich alles gut wird:

Ich empfange - nicht die gerechte Strafe, sondern Barmherzigkeit!

Ich finde - nicht die Endabrechnung, sondern Gnade!

 

Gott heilt deine Verletzungen.

Er wandelt deine Tränen in Perlen.

Er lässt die Wut verpuffen und die Liebe wachsen.

Tritt herzu zum Thron der Gnade, damit du Barmherzigkeit empfängst und Gnade findest.

 

Gehen wir nochmal zu unserem Ausgangpunkt auf den Weg zum Thron. Sie gehen auf den Thron zu. Nicht mehr wie der Prüfling zum Examen. Eher wie die Braut zum Bräutigam. Voller Vorfreude, mit klopfendem Herzen. Denn gleich werde ich ihn sehen, Jesus. Freilich wird trotzdem mein Leben beurteilt. Aber nicht, um mich zu vernichten, sondern um mich zu heilen. Lasst uns mit Zuversicht treten zu dem Thron der Gnade, dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wo wir Hilfe brauchen.

 

 

 

 

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Pfarrerin Andrea Nehring