Wer bin ich? Predigt vom 3.2.19 von Pfarrerin Andrea Nehring

Heute hören wir von der Berufung des Moses.

Bevor ich unseren Text lese, möchte ich Sie kurz erinnern, was vorher gewesen ist.


Mose wurde als Baby ausgesetzt im Schilfkörbchen auf dem Nil. Die Prinzessin fand ihn und nahm ihn an Kindes Statt auf. Die ersten 4-6 Jahre durfte Mose bei seiner Mutter leben.
Was haben sie ihm gesagt, wenn er gefragt hat:  Wie bin ich geboren?  Vielleicht: Du bist ein Held. Gott hat dich bewahrt. Er hat vielleicht großes mit dir vor.


Dann kam der Junge an den Hof des Pharaos: lernt eine neue Sprache, bekommt die Ausbildung zum Herrscher, Schule und Erziehung – ein rasanter Aufstieg, er hat eine große Karriere vor sich.


Und dann hat er alles vermasselt.
Er erschlägt einen Aufseher aus Wut darüber, dass der einen seiner Landsleute so auspeitscht. Der Mord wird gesehen. Er muss fliehen.


Weit weg im Land Midian kommt er an. Heiratet eine von 7 Töchtern eines Priesters und bekommt mit ihr einen Sohn. Er hütet dessen Schafe.  Auf deutsch: Er lebt völlig „normal“. Da ist nichts Besonderes mehr. Kein Plan Gottes, der noch wartet. Wer kann schon einen Mann brauchen, der so unbeherrscht ist, dass er im Affekt einen anderen erschlägt. Bewahrung im Schilfkörbchen? Das war mal.


2.Mos 3:
Mose hütete damals die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er die Herde von der Steppe hinauf in die Berge und kam zum Horeb, dem Berg Gottes.

2 Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Flamme, die aus einem Dornbusch schlug. Als Mose genauer hinsah, bemerkte er, dass der Busch zwar in Flammen stand, aber nicht niederbrannte.

3 »Merkwürdig«, dachte Mose, »warum verbrennt der Busch nicht? Das muss ich mir aus der Nähe ansehen.«

4 Der HERR sah, dass Mose sich dem Feuer näherte, um es genauer zu betrachten. Da rief er ihm aus dem Busch zu: »Mose, Mose!« »Ja, Herr«, antwortete er.

5 »Komm nicht näher!«, befahl Gott. »Zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligem Boden!
6 Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«
Mose verhüllte sein Gesicht, denn er hatte Angst davor, Gott anzuschauen.

 

„Ich bin der Gott, den dein Vater verehrt hat.“
Wie lange ist das her! Wie haben sie damals immer zu ihm gesagt: Du bist erwählt von Gott! Aber er hat nie wirklich eine Erwählung wahrgenommen. Wenn er ehrlich ist, hat er den Gott seines Vaters gar noch nicht selbst erfahren, wenn man von der Schilfkorbgeschichte absieht.


So war das bei vielen von uns. Wir lernen Gott bei unserem Vater, unserer Mutter kennen. Sie lehren uns beten und glauben. Sie lehren uns, dass Gott die Liebe ist und uns vergibt. Sie lehren uns, dass wir andere achten und wertschätzen sollen, egal wie reich, egal wie sympathisch sie sind. Sie lehren uns den Gott unserer Väter. Aber eigentlich haben wir ihn persönlich nie kennengelernt. Und auf einmal spricht dieser Gott zu dir, tritt heraus aus dem Schatten der Familie, schaut dir in die Augen und sagt: Du. Dich brauch ich. Jetzt.
Da zieht es einem schon mal die Schuhe aus und Angst erfüllt das Herz. Es ist der Moment, wo der Gott meines Vaters mein Gott wird. Erinnern Sie sich an diesen Moment?


Lesen wir, was Gott vorhat:
Der HERR sagte: »Ich habe gesehen, wie schlecht es meinem Volk in Ägypten geht, und ich habe auch gehört, wie sie über ihre Unterdrückung klagen. Ich weiß genau, was sie dort erleiden müssen.
8 Nun bin ich herniedergefahren, um sie aus der Gewalt der Ägypter zu retten. Ich will sie aus diesem Land herausführen und in ein gutes, großes Land bringen, in dem es selbst Milch und Honig im Überfluss gibt. ..
9 Ja, ich habe die Hilfeschreie der Israeliten gehört; ich habe gesehen, wie die Ägypter sie quälen.
10 Darum geh nach Ägypten, Mose! Ich sende dich zum Pharao, denn du sollst mein Volk Israel aus Ägypten herausführen!«


Wahrscheinlich hat Mose bis jetzt immer genickt: Ja, genau, endlich, endlich hilft Gott meinem Volk, endlich schreitet er ein!
Und dann plötzlich: Ich sende dich.


Als wir mit den iranischen Frauen das gelesen haben, haben wir uns vorgestellt, Gott würde sie mit einem brisanten Auftrag zurück in den Iran schicken, direkt zum Regierungschef, sie, die geflohen waren, aus gutem Grund. Nein, sagten die jungen Frauen spontan, nicht dorthin!


Und außerdem: Ich kann so was nicht. Vor anderen Leuten reden, für Jesus einstehen.


Obwohl – wenn Gott selbst einen sendet…


Ich sende dich, sagt Gott zu Mose. Sein Leben war bis jetzt nur in Warteposition. Gott wollte, dass sich Mose erst mal abarbeitet mit seinem unkontrollierten Zorn, mit seinen schnellen Urteilen.


Ich sende dich, sagt Gott zu dir hier in der Kirche. Mit deiner Lebenserfahrung, die du schon gemacht hast:
Mit deiner Wut, 

deinen Tränen,

deiner Einsamkeit und deiner Sehnsucht,

deinen Fragen und deinen Zweifeln.

Und du denkst: So kann mich kein Gott brauchen?


Gott braucht dich genau so.
Es war kein Zufall, dass du das erlebt hast, was dich heute ausmacht.
Es war Gottes Vorbereitung auf deinen Dornbusch – Tag, auf den Tag, wenn er dich rufen will.

 

Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?
Er sprach: Ich will mit dir sein.

 

Wer bin ich?
will Mose wissen.
Und Gott sagt: Ich will mit dir sein.
Das passt doch gar nicht als Antwort. Mose wollte wissen: Was befähigt mich zu so einem Einsatz? Was kann ich denn schon?


Aber Gott sagt: Das ist gar nicht wichtig. Wichtig ist nur eins: Ich will mit dir sein.
Wer immer du bist: Ich will mit dir sein.
Wenn du nicht weiterweißt: Ich will mit dir sein!
Wenn du dich fürchtest: Ich will mit dir sein!
Wenn mit großen Schritten losziehst: Ich will mit dir sein!
Wenn du scheiterst, weinst und wütest: ich will mit dir sein.
Wer du auch geworden bist: Gott wird mit dir sein.


Und Mose fragt weiter:
Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen?
 Gott sprach zu Mose: Ich bin, der ich bin. Ich werde für dich da sein.


Wer bist du, Gott?
Ich bin der, der für dich da ist.
Gott ist für dich da! So sehr, dass das sein Name ist!


Wie heißt es bei Johannes: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott ihn ihm.
Ich bin der ich bin. Ich werde für dich da sein.

Heute hat Gott einen Namen, der keine Übersetzung braucht: Jesus. Er ist die Liebe.


Jesus sagt uns:
Ich bin die Quelle des Lebens – du wirst nie mehr Durst haben.
Ich bin das Brot des Lebens, du sollst satt werden.
Ich bin die Wahrheit, der Weg, ich führe dich.
All diese Worte sagen uns nichts anderes als:
Ich bin für dich da. Deine Quelle, dein Weg, deine Wahrheit, dein Brot, deine Liebe.
Für dich, Mensch. Für dich, Mose. Für dich, der du heute hier in der Kirche sitzt.


Gott heißt: Ich werde mit dir sein. Wer du auch geworden bist: Fürchte dich nicht.


Das ist es, was aus dem Mörder und Flüchtling Mose den Mose gemacht hat, den die ganze Welt kennt. Und das ist es auch, was Gott mit deinem Leben machen möchte.
Ich sende dich, sagt Gott.
Ich brauche dich so wie du geworden bist.
Und ich will mit dir sein.  

 

Friedenskirche-Bayreuth

Friedenstr. 1

95447 Bayreuth

 

Pfarramt

Montag -Freitag

9.00-12.00 Uhr

0921-65229

Seelsorgetelefon:

0921-512922

WhatsApp: 0176/82635601

Instagram: friedenskirche_bayreuth

Facebook: Friedenskirche Bayreuth

 

Spendenkonto:

IBAN: DE71 7735 0110 0009 0191 18
Sparkasse Bayreuth    
BIC: BYLADEM1SBT

 

Direktspende für die Flüchtlingsarbeit:

https://www.kd-onlinespende.de/projekt/taufkurs-fuer-iranische-fluechtlinge/display/link.html

 

Pfarrerin Andrea Nehring